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Nachricht vom 18.06.2021    

"Land_schaf(f/t)en": Tijan Sila und Martin Kordic lesen in der Kulturwerkstatt

In ihrer neuen Lesungs-Reihe widmet sich die Kulturwerkstatt Kircheib in diesem Sommer schwerpunktmäßig der zeitgenössischen, deutschsprachigen Literatur. Nach dem großen Erfolg der ersten Veranstaltung mit Mariana Leky und Annegret Held, lesen am Samstag, 26. Juni, von 16 bis 19 Uhr die Schriftsteller Tijan Sila aus Kaiserslautern und Martin Kordic aus München.

Tijan Sila (links) und Martin Kordic lesen in der Kulturwerkstatt. (Fotos: Veranstalter / Lisa Maria Seydlitz)

Kircheib. Darüber hinaus wird es bei Kordic, der auch als Lektor für den renommierten Hanser Verlag tätig ist, am Sonntagmorgen die Möglichkeit geben, einen Schreib-Workshop zum Thema „Erinnerung“ zu besuchen.

Mit ihrer Lesungs-Reihe hat sich die Kulturwerkstatt vorgenommen, junge deutschsprachige Literatur von Menschen mit unterschiedlichen Biografien, Herangeshensweisen und literarischen Formen in Bezug zu setzen und über ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu sprechen.

Tijan Sila: Krach
Tijan Sila wird in der Kulturwerkstatt aus seinem gerade erschienenen Roman „Krach“ lesen, über den der bekannte Autor und Kulturjournalist Arno Frank sagt: „Ein furioser Roman über das Erwachsenwerden im toten Winkel der Gesellschaft und eine kalte Dusche für lauwarmes Erzählen.“

Sila kam 1981 in Sarajevo zur Welt und emigrierte 1994 mit seiner Familie nach Deutschland. Er studierte Germanistik und Anglistik in Heidelberg und lebt heute in Kaiserslautern, wo er als Lehrer an einer Berufsschule arbeitet. In seinem unverwechselbaren Ton schreibt Tijan Sila einen humorvoll wilden, zarten Roman über die identitätsstiftende Kraft von Subkulturen.

1998, inmitten der Baseballschlägerjahre, gründet der 18-jährige Gansi mit seinen Freunden in der Kleinstadt Calvusberg die Punkband Pur Jus. Während es seinen Eltern, die vor vielen Jahren aus Bosnien nach Deutschland gekommen sind, lieber wäre, würde er wie sein älterer Bruder Predrag Chirurg werden und in eine Villa am Heidelberger Neckarufer ziehen, veranstaltet er Radau im heimischen Club Fiasko, tourt durch das tief gespaltene Land vom blitzsauberen Jugendzentrum in Freiburg zum besetzten Haus in Heidenau, lässt sich von einem Fascho die Lippe spalten und von der finsteren Gitarristin Ursel das Herz brechen. Dann trifft er Katja, die in »Texas« lebt, einem Viertel in Calvusberg, das sogar die Punks fürchten. Sie lernt fürs Abi, ist sehr für gewaltfreie Konfliktlösung und hört lieber Madonna statt Buzzcocks. Gansi ist bis zur geföhnten und blondierten Haartolle verliebt in sie. Alles scheint perfekt – doch bald sind es nicht mehr nur die omnipräsenten Nazis, die für Pur Jus zur Gefahr werden.

Martin Kordic: N.N.
Martin Kordic hat ebenfalls familäre Wurzeln auf dem Balkan, wurde aber 1983 in Deutschland geboren und lebt in München. Er studierte am von Hanns-Josef Ortheil gegründeten Institut für Literarisches Schreiben der Universität Hildesheim und an der Universität Zagreb. Im Hauptberuf ist Martin Kordic als Lektor beim renommierten Carl Hanser Verlag tätig, wo 2014 auch sein erster Roman "Wie ich mir das Glück vorstelle" erschien, für den er 2015 den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis und die Alfred Döblin-Medaille erhielt.



Martin Kordic wird in der Kulturwerkstatt exklusiv Auszüge aus dem Manuskript seines zweiten, noch nicht veröffentlichten Romans lesen. Darin wird die Geschichte einer Beziehung zwischen einem Jungen und einer älteren Frau erzählt. Es ist ein Roman über Hingabe, Herkunft und Klassen in Deutschland.

Schreibworkshop mit Martin Kordic

Das Lieblingsessen als Kind, ein Besuch beim Fotografen mit den Eltern, ein Geruch auf der ersten Ferienreise ganz allein — eine Geschichte, die das eigene Leben ist. Gegenwärtiges Erzählen ist stark angetrieben vom Wunsch nach Wahrhaftigkeit und Authentizität, die Autofiktion ist sehr beliebt. Aber wie verwandeln sich Erinnerungen in literarische Texte? Wie sortiert man sich selbst in die Dramaturgie der eigenen Biographie? In Martin Kordics Workshop zu Leben und Erinnern am Sonntag, 27. Juni, von 10 bis 14 Uhr stellen sich die Teilnehmer diesen Fragen auf einer literarischen Reise zur eigenen Herkunft und untersuchen aktuelle Beispiele aus der Gegenwartsliteratur.

Im Anschluss an die beiden Lesungen wird es noch ein von Martin Zepter, aus dem Leitungsteam der Kulturwerkstatt, moderiertes Künstlergespräch geben, bei dem das Publikum dazu ermutigt wird, eigene Fragen an die Autorinnen zu stellen.

Die Veranstaltungen finden Corona-Konform im neben der Kulturwerkstatt gelegenene Garten der Familie Krah statt. Eine Anmeldung über die Homepage der Veranstalter ist aufgrund des Hygienekonzeptes unbedingt erforderlich. Um einen Kulturbeitrag in Form einer Spende an den Kulturwerkstatt Kircheib e.V. wird gebeten.

Zum Abschluss der Reihe lesen im September die Schriftstellerinnen Jacinta Nandi und Elisa Aseva aus Berlin. Die Veranstaltungsreihe wird im Rahmen des Programms „Und seitab liegt die Stadt“ vom Literarischen Colloqium Berlin e.V. und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert.

Die Kulturwerkstatt befindet sich auf dem Gelände des Reifenhandels "Reifen Krah" (Hauptstraße 14, 57635 Kircheib). Das aktuelle Programm findet sich auf der Homepage. (PM)


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