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Nachricht vom 20.01.2011    

Staunende Blicke wandern über künstlerische Zeitzeugnisse

In der Reihe "Kunst und Kultur im Kreishaus" ist am Donnerstagabend die Alois-Stettner-Gedächtnisausstellung in der Kreisverwaltung Altenkirchen eröffnet worden. Die "Stiftung Kultur im Kreis AK" hat die Ausstellung auf den Weg gebracht und präsentiert bis 25. Februar sehenswerte Graphiken und Kirchenfenstervorlagen des aus Mudersbach stammenden Künstlers.

Prof. Dr Franz-Josef Heyen, ehemaliger Direktor des Landeshauptarchivs Koblenz, beleuchtete in seinem Vortrag das außergewöhnliche Werk von Alois Stettner und verwies darauf, Kultur immer auch in seiner historischen Dimension zu betrachten. Fotos: Thorben Burbach

Altenkirchen. Zu ihrer Erstausstellung hat die "Stiftung Kultur im Kreis AK" mit dem Künstler Alois Stettner die richtige Wahl getroffen. Diesen Schluss lässt zumindest die erstaunlich hohe Zahl an Besuchern zu, die auf der Vernissage die etwa 70 Graphiken und Kirchenfenstervorlagen aus dem Nachlass von Stettner eingehend begutachteten. Die Verantwortlichen der Kulturstiftung um Heinz-Robert Stettner, einem Neffen des Mudersbacher Künstlers, waren über den großen Zuspruch sichtlich erfreut und berichteten bereits von weiteren Projekten der Stiftung. Wie Christina Held und Monika Seidel von der Kreisverwaltung bestätigten, waren im Vorfeld 136 Anmeldungen für die Vernissage eingegangen, und einige Kurzentschlossene mehr fanden sich zur Eröffnung in den großen Sitzungssaal der Kreisverwaltung ein. Bis zum 25. Februar wird die Ausstellung auf zwei Etagen in der Kreisverwaltung zu sehen sein.

Ehrengast des Abends war Prof. Dr. Franz-Josef Heyen, der als ehemaliger Archivdirektor des Landeshauptarchivs Koblenz über das Werk und vor allem die historischen Rahmenbedingungen des Künstlers zu erzählen wusste. Er hatte bereits 1991 eine Ausstellung im Landeshauptarchiv organisiert und sich intensiv mit dessen Werk auseinandergesetzt. Es liege ihm am Herzen, so Heyen, wenn in den nächsten Jahren eine ausführliche Dokumentation angefertigt werde, die das Werk von Stettner in seiner ganzen Breite erfasse. Damit meine er jedoch nicht den Bau eines Museums, wie der Historiker mit viel Humor zu verstehen gab. Vielmehr richtete er den Fokus auf eine kulturelle Aufklärungsarbeit, die für die Kulturstiftung nicht an den Kreisgrenzen zu Ende sein dürfe. Denn gerade in Stettners Werk seien unterschiedliche kulturelle Einflüsse wiederzufinden, sei es aus dem klerikalen oder dem weltlichen Bereich. So betonte Heyen, dass man immer auch die historische Dimension von Kunst im Auge haben und vermitteln müsse.

Stettner hatte in den fünfziger Jahren in der Künstlerkolonie auf dem Asterstein in Koblenz gewohnt und gearbeitet. Es sei bemerkenswert, dass die Landesregierung in der "schlimmen Zeit" ein solches Künstlerheim eingerichtet habe, sagte Heyen. So sind viele von Stettners Kirchenfenstern dort entstanden, auf die Landrat Michael Lieber in seiner Begrüßung verwies. Er hieß die zahlreichen Besucher zur Veranstaltungsreihe "Kunst und Kultur im Kreishaus" herzlich willkommen, die mit der Ausstellung bereits in ihr fünftes Jahr startet. Lieber erinnerte an die bekannten Kirchenfenster im Westchor des Mainzer Doms und in der Basilika St. Kastor in Koblenz, aber auch an die heimischen Kirchen in Alsdorf, Herdorf-Dermbach, Kirchen, Marienthal oder Mudersbach, deren Erscheinungsbild Stettner mit seiner Glasmalerei prägte.



Dabei habe sich Stettner zunächst bloß auf das Zeichnen beschränkt, die Geschichte des Christentums in Bildern erzählt. Später widmete er sich dann der ornamentalen und figurativen Darstellung, die die Gestaltung seiner Kirchenfenster maßgeblich beeinflusste. Letztlich sei die aufwändige Gestaltung von Kirchenfenstern kein Zufall. Sie leisten einen nicht unerheblichen Beitrag zur Dekoration des Innenraumes. Denn wer schaue sich ein Fenster schon von außen an, wie Heyen mit Blick auf das häusliche Wohnen anmerkte.

Kirchenfenster, Porträtmalereien, Illustrationen und Holzschnitte gehörten zum Repertoire des Künstlers Alois Stettner. Sein Werk, da ist sich Heyen sicher, spiegle auch jenes wider, was zur damaligen Zeit in Künstlerkreisen diskutiert worden sei. So bekannte sich Stettner zum Werk von Ernst Barlach, das von den Nationalsozialisten noch als „entartete Kunst“ diffamiert worden war, wie Heyen aus einem Brief aus dem Jahre 1938 zitierte. Und er gestaltete bedeutende Kunst nach dem Krieg, die bis heute nachwirke, so der Historiker.

Begleitheft zur Alois-Stettner-Ausstellung

Zur Alois-Stettner-Ausstellung im Kreishaus ist ein vom "Verein für Geschichte und Kunst des Mittelrheins zu Koblenz" im Jahre 1990 herausgegebenes Begleitheft gegen eine Gebühr von 10 Euro zu erwerben. Das Heft war unter der Leitung von Prof. Dr. Franz-Josef Heyen zur Gedächtnisausstellung im Landeshauptarchiv Koblenz erschienen. Der Erlös kommt der "Stiftung Kultur im Kreis Ak" zugute. (Thorben Burbach)



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