Werbung

Nachricht vom 28.04.2011    

Der Arbeitsmarkt hat sich weiter von der Krise erholt

Weniger Menschen auf Jobsuche, mehr offene Stellen und ein relativ ausgewogener Ausbildungsmarkt: Die Arbeitslosigkeit zwischen Rhein und Sieg ging auch im April deutlich zurück. Besonders der Vergleich mit den Vorjahreswerten signalisiert, dass die Wirtschaftskrise und ihre Folgen nun auch im Bezirk der Agentur für Arbeit Neuwied weitgehend überwunden sind. Im Kreis Altenkirchen liegt die aktuelle Arbeitslosenquote bei 5,6 Prozent - im April des Vorjahres waren es noch 6,7 Prozent. Auch auf dem Ausbildungsmarkt ist eine positive Entwicklung zu beobachten.

Altenkirchen/Neuwied. Wenn Ulrike Mohrs, der Leiterin der Neuwieder Arbeitsagentur, in diesen Tagen die aktuellen Statistiken auf den Tisch flattern, erhellt sich ihr Gesicht. Zu gut kann sie sich an das vergangene Jahr erinnern, als "ihre" Landkreise Neuwied und Altenkirchen noch in der tiefsten Krise steckten, während es in der näheren und weiteren Nachbarschaft längst wieder bergauf ging. Damals blieb die Arbeitsmarktexpertin zuversichtlich: Aufgrund des Branchenbildes in der Region war man besonders tief abgestürzt, aber man würde auch intensiv vom Aufschwung profitieren. "Und jetzt ist es so weit", freut sich Mohrs, die schon seit einigen Monaten wieder gute Nachrichten verkünden kann. 9355 Arbeitslose zählten die Statistiker Ende April im Bezirk - 313 weniger als im März und 1555 weniger als vor einem Jahr. Innerhalb von 12 Monaten ist die Arbeitslosigkeit damit um fast 15 Prozent gesunken. Die Arbeitslosenquote reduziert sich um 0,2 auf 5,8 Prozent. Im April 2010 lag sie bei 6,8 Prozent. Und diesmal profitieren auch die Langzeitarbeitslosen aus dem Rechtskreis des Sozialgesetzbuches (SGB) II - also die so genannten Hartz IV-Empfänger - von der günstigen Entwicklung. Innerhalb von vier Wochen sank ihre Zahl um 107 auf nun 6114; vor einem Jahr lag sie sogar um 691 höher. Deutlicher zeichnet sich die Entspannung allerdings im Rechtskreis des SGB III ab, also bei jenen, die meist unter einem Jahr arbeitslos sind. Ihre Zahl liegt derzeit bei 3241; vor vier Wochen gab es hier noch 206 und vor einem Jahr sogar 864 Arbeitslose mehr.

Von der günstigen Entwicklung profitieren beide zum Bezirk gehörenden Landkreise, auch wenn Altenkirchen die Nase nach wie vor leicht vorn hat. Allerdings waren die Westerwälder seinerzeit auch deutlich tiefer in die Krise gerutscht. Um 179 auf nun 3856 ging die Zahl der Arbeitslosen in den letzten vier Wochen hier zurück. Im Jahresvergleich weist die Statistik sogar 840 Arbeitslose weniger aus. Die Quote sinkt auf 5,6 Prozent. Im März lag sie bei 5,8 und im April 2010 bei 6,7 Prozent. Im Landkreis Neuwied werden derzeit 5499 Arbeitslose gezählt - 134 weniger als im März und 715 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote liegt bei 5,9 Prozent - nach 6,0 im Vormonat und 6,6 Prozent im Vorjahr.

Die Stabilisierung des Arbeitsmarktes lässt sich aber nicht allein an der sinkenden Zahl der Arbeitslosen ablesen, sondern auch an der steigenden Zahl gemeldeter Stellen. 800 kamen allein im April neu hinzu - 311 aus dem Landkreis Altenkirchen, 489 aus dem Kreis Neuwied. Da im gleichen Zeitraum 573 Stellen besetzt werden konnten, hat die Arbeitsagentur derzeit 1392 offene Stellen im Bestand - 904 davon aus dem Landkreis Neuwied, 488 aus Altenkirchen. Vor einem Jahr wies die Statistik in dieser Rubrik für den gesamten Bezirk gerade mal 485 Stellen aus.



Erfreulich entwickelt sich nach Ansicht von Mohrs auch der Ausbildungsmarkt in der Region. Vermeldete die Agentur vor einem Jahr noch 1090 unversorgte Bewerber, denen gerade mal 453 offene Lehrstellen gegenüberstanden, gleichen sich Angebot und Nachfrage in diesem Jahr deutlich an. So sind bei den Berufsberatern derzeit noch 972 Jugendliche gemeldet, die eine Lehrstelle suchen. Gleichzeitig liegen noch 756 offene Ausbildungsplatzangebote vor. Dass die Lücke zwar deutlich kleiner geworden ist, aber nach wie vor existiert, beunruhigt die Agenturchefin nicht. "Wir wissen aus Erfahrung, dass viele der Jugendlichen, die heute noch auf unserer Liste stehen, am Ende doch lieber weiter zur Schule gehen wollen oder längst eine Lehrstelle gefunden und nur vergessen haben, uns Bescheid zu geben." Dieser "Schwund" sei bei den gemeldeten Ausbildungsplätzen hingegen kaum zu erwarten. "Wir nähern uns eindeutig dem Punkt, an dem es für Arbeitgeber schwieriger ist, den Nachwuchs zu finden, den sie sich wünschen, als für gut qualifizierte Jugendliche, eine attraktive Ausbildungsstelle. Und das wird sich auch in den nächsten Jahrzehnten nicht mehr ändern, sondern sogar noch deutlich verschärfen." Betrieben rät Mohrs deshalb, möglichst frühzeitig den Nachwuchs auszubilden, den sie in der Zukunft brauchen werden.

Aber auch für Jugendliche gibt sie keine vollständige Entwarnung. "Wer einen passablen Schulabschluss mitbringt und motiviert ist, der wird alle Chancen auf einen gelungenen Einstieg ins Berufsleben haben. Wer das nicht vorweisen kann, wird es aber auch in Zukunft schwer haben. Denn in der modernen, hochtechnisierten Arbeitswelt gibt es für gering qualifizierte Menschen kaum noch einen Platz. Wer nicht von vornherein zu den Verlieren gehören will, sollte sich also bereits in der Schule anstrengen."



Lesen Sie gerne und oft unsere Artikel? Dann helfen Sie uns und unterstützen Sie unsere journalistische Arbeit im Kreis Altenkirchen mit einer einmaligen Spende über PayPal oder einem monatlichen Unterstützer-Abo über unseren Partner Steady. Nur durch Ihre Mithilfe können wir weiterhin eine ausgiebige Berichterstattung garantieren. Vielen Dank! Mehr Infos.



Lokales: Altenkirchen & Umgebung
Feedback: Hinweise an die Redaktion

Weitere Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
 

Anmeldung zum AK-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Altenkirchen.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Region


Waldbrand in Nauroth: Schnelles Eingreifen verhindert weitere Ausbreitung des Feuers

Am Freitagnachmittag (4. April) kam es am Ortsrand von Nauroth zu einem Bodenfeuer, das sich aufgrund ...

Warnung vor Fake-Bußgeldbescheiden vom Kraftfahrt-Bundesamt

Mit dieser persönlichen Warnung möchte unser Redakteur Wolfgang Rabsch auf eine besonders perfide Masche ...

Neuer Schulreferent stärkt Grundschulen in der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld

Die Verbandsgemeinde (VG) Altenkirchen-Flammersfeld hat einen neuen Schulreferenten: Jens Fleck übernimmt ...

Peterslahr auf dem Weg in die digitale Zukunft: Start des Glasfaserausbaus

In Peterslahr haben die Bauarbeiten für das neue Glasfasernetz begonnen. Deutsche Glasfaser hat den ersten ...

JUZ-Podcast: Jugendliche aus Hamm (Sieg) starten mit Pilotfolge

Das evangelische Jugendzentrum in Hamm (Sieg) hat ein neues Projekt ins Leben gerufen: einen Podcast ...

Aktualisiert: 14-jähriger Junge aus Oberraden wohlbehalten gefunden

Seit dem 11. März galt San Luca S. aus Oberraden als vermisst. Die Suche nach ihm hielt die Region in ...

Weitere Artikel


Arbeitnehmer-Freizügigkeit: IHK sieht Chancen

Chancen für mittelständische Unternehmen sieht die IHK in der Öffnung der Arbeitsmärkte nach Osten zum ...

Finanzspritze für den Blumenmarkt

Die Westerwald Bank unterstützt auch in diesem Jahr den Westerwälder Blumenmarkt in Horhausen. Geschäftsstellenleiter ...

Feuerwehr Kirchen übte Ernstfall im Krankenhaus

Den Ernstfall übten jetzt die Aktiven der Freiwilligen Feuerwehr Kirchen im DRK-Klinikum. An der Übung ...

25 Jahre Besucherbergwerk Bindweide: Fotodokumentation

Eine interessante Foto-Dokumentation wird anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Besucherwettbewerbes ...

Ostertöpfern für Kinder ein voller Erfolg

Ein voller Erfolg war auch in diesem Jahr wieder der Töpferkurs für Kinder in Grünebach. Die Palette ...

14 Teilnehmer bei "Unser Dorf hat Zukunft"

Der Aufwärtstrend beim Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" setzt sich fort. In diesem Jahr zählt der ...

Werbung