Werbung

Nachricht vom 15.05.2022    

Buchtipp: „Tod im Waldwinkel“ - Mordserie im Westerwald

Von Helmi Tischler-Venter

„Auf, auf zum fröhlichen Morden“: Der Untertitel trifft die Stimmung, denn trotz einer Mordserie im beschaulichen Westerwald im Herbst 1963, als die Traumata des Kriegs noch in den Menschen nachwirkten, ist Lutz Wetzels Buch wegen den originellen Wäller Protagonisten amüsant. Hauptwachtmeister Kesselring und Kommissar Rotteck bereiten die Morde allerdings schlaflose Nächte.

Buchtitel

Dierdorf/Stuttgart. Die Opfer sind ausnahmslos Jäger. Diese Zunft ist für den Hauptwachtmeister eine Rotte widerspenstiger und hinterhältiger Gesetzloser.

Das erste Mordopfer ist Förster Simon, getötet durch einen Kopfschuss, in der Jägersprache „Küchenschuss“. Kriegswaise „Kröten-Jörg“, der gesetzlose Waldmensch und selbsternannte Magier hatte die Leiche gefunden. Der Jagdhelfer kennt den Forst besser als jeder andere. Er weiß, dass der Verstorbene die sieben Kerschbaums aus Weyerbusch als Holzdiebe stellen wollte. Die verwitwete schöne Försterin weiß, dass ihr Mann mit dem rücksichtslosen Uhrmacher Diedrich im Streit lag. Doch dieser ist selbst das nächste Mordopfer. Er liegt mit durchschnittener Kehle morgens im Ehebett. Doktor Rotgold, der immer Alarm schreiend und klingelnd per Fahrrad zum Tatort kommt und Bestatter Ellermann haben ungewöhnlich viel zu tun. Und die Witwen zeigen ungewöhnliches Verhalten.

Der Jägerstammtisch trifft sich allabendlich bei Gastwirt „Äffchen“ Fettweiß im „Weißen Falken“. Dort hat sich auch Susi Eigenherz, eine hübsche Blondine mit einem handgezeichneten Plan von der Gemarkung „Rehbeins Hafer“ einquartiert. Ihre Mutter hatte dort auf der Flucht aus Westpreußen einen großen Koffer mit dem Familiensilber eingegraben. Zusammen mit Kröten-Jörg fahndet sie nach dem Familienschatz, stößt aber auf ganz anderes.

Die Wäller sind nicht nur als trinkfeste Naturburschen dargestellt, sie machen sich ihre Gedanken um das Leben. Der Wirt konstatiert: „Wir können das Leben nicht anhalten, wenn es schön ist...Aber wir können es auch nicht schnell weiterdrehen, wenn eine Zeit nicht gut ist. Ich sag immer, wir sitzen immer drin, in der rollenden Kugel, und purzeln durch die Jahre.“



Wandermetzger Karasek hat seine eigenen religiösen Regeln: „Beim Kesselfleisch bete ich schon: Lieber Gott, vergib mir, dass ich das Schwein totgemacht habe. Dann fühle ich mich gleich wieder gut und das Wursten geht mir leicht von der Hand.“

Kommissar Rottek, der es nicht übers Herz bringt, auf einen Hasen zu schießen, bekennt: „Jäger spinnen eben gelegentlich. Sie verlaufen sich manchmal in ihren eigenen Gefühlen. Vor allem, wenn es so zarte Seelen sind wie meine.“

Die Försterwitwe belehrt ihren Geliebten: „Es gibt keine schwierigen Frauen. Es gibt nur Männer, die zu doof sind, sie zu verstehen.“

Die Polizei steht vor unlösbaren Rätseln, als noch ein Jagdfreund tot und angefressen in „Julchens“ Schweinekoben aufgefunden wird. Wer hat ein Motiv und die Gelegenheit zum Morden? War es einer oder mehrere? Warum will jemand den Jägerstammtisch ausrotten? Ist eine Frau so hasserfüllt, dass sie planvoll tötet? Wieso begannen die Morde mit der Ankunft von Susi Eigenherz? Hat ein Mann Spaß am Töten? Wer hat den toten Fuchsjäger mit einem präparierten Fuchs drapiert? Als Nervennahrung brauchen die Polizisten wiederholt ein gemeinsames Dienstvergehen mit selbst gebranntem Nusslikör.

Bestatter und Waidmann Ellermann hat Angst. Nicht so der Schmied: „Ein Schmied hat keine Angst, Ellermann. Wir schmieden das Schicksal mit zentnerschweren Hämmern und prügeln die Furcht aus dem Eisen.“

Erschienen ist der vergnügliche Jagd-Krimi im Kosmos-Verlag, ISBN 978-3-440-15469-4. (htv)


Mehr dazu:   Buchtipps  
Feedback: Hinweise an die Redaktion

Anmeldung zum AK-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Altenkirchen.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Kultur


20. Monkey Jump Kneipenfestival Hachenburg: Party-Hochburg am 29. März

ANZEIGE | Am Samstag, den 29. März, verwandelt sich Hachenburg in eine Festival-Hochburg, wenn das 20. ...

Bergbaujahr 2025 in Willroth: Feierliche Eröffnung am 29. März auf der Grube Georg

ANZEIGE | Das Jahr 2025 steht in der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld ganz im Zeichen des Bergbaus. ...

Celtic Folk Music in Wissen: Cara brachte das irische Lebensgefühl ins Kulturwerk

Cara ist eine international bekannte und mehrfach ausgezeichnete Formation. Die Musiker vermitteln durch ...

Buchtipp: "Das Rot der Stiefmütterchen" von Susanne Arnold

In das anheimelnde Cottage auf dem Titel des neuen Kent-Krimis möchte man direkt einziehen und die Gastfreundschaft ...

Motto dieses Sommers: "Forever young?"

In Anlehnung an das Motto des rheinland-pfälzischen Kultursommers folgt auch der Westerwälder Literatursommer ...

Mathias Richling begeistert Hachenburg mit scharfzüngigem Kabarett

Die Hachenburger Kulturzeit landete erneut einen Volltreffer und holte mit Mathias Richling einen der ...

Weitere Artikel


JSG Wisserland: A-Jugend spielt erneut unentschieden

Im Heimspiel gegen den JFV Bitburg kam die A-Jugend der JSG Wisserland wieder nicht über ein 1:1 hinaus, ...

Betzdorf: Frühlingsfest wurde zum Sommerfest (ergänzt)

Für den ein oder anderen mag dieser Anblick nach über zwei Jahren Pandemie immer noch ungewohnt wirken. ...

Gymnasium Altenkirchen: Schülervertretung verkauft meistbietend Pop-Art-Bilder

Um beim diesjährigen Schüler-Varieté des Westerwald- Gymnasiums Altenkirchen die Aula stilvoll zu schmücken, ...

Forstrevier Anhausen gibt Auskunft über erhöhten Pollenflug

Bei Wind ist der Fernblick durch Staubwolken getrübt. Doch es ist nicht mehr der Sahara-Staub, der durch ...

PKW-Brand auf der Rastanlage Epgert sorgte für Aufregung und zeitweise Sperrung

Am Samstag (14. Mai) wurden die freiwilligen Feuerwehren Horhausen und Pleckhausen gegen 14.55 Uhr alarmiert. ...

Vernissage zeigt "Gesichter des Lebens" am Zentrum Innere Führung

Mit einer Vernissage am 9. Mai würdigte das Zentrum Innere Führung (ZInFü) die Leistungen und Haltung ...

Werbung