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Nachricht vom 08.03.2025    

Wolfs-Prävention im Westerwald: BI lud zu einer Podiumsdiskussion in Katzwinkel ein

Von Klaus Köhnen

Die Bürgerinitiative "Wolfprävention Westerwald" hatte, bereits kurz nach ihrer Gründung, am Freitag (7. März) zu einer Veranstaltung in die Glück-Auf-Halle Katzwinkel eingeladen. Die Vorsitzende Bianca Belleflamme begrüßte die zahlreichen Gäste und stellte den Ablauf kurz vor.

Symbolbild (Pixabay)

Katzwinkel. Die Veranstaltung wurde mit Vorträgen von Dr. Peter Sound (Ministerium für Umwelt RLP), Julian Sandrini vom Koordinationszentrum Luchs und Wolf (KLUWO) und Dr. med. vet. Michael Weiler unterstützt. Verbandsgemeinde-Bürgermeister Berno Neuhoff stellte zunächst fest, dass er auch für die weiteren VG-Bürgermeister im Landkreis spreche.

Neuhoff sagte unter anderem: "Uns allen ist bewußt, dass wir über den Wolf sehr leidenschaftlich diskutieren. Oft wirken die Gegensätze für mich in der Diskussion unüberbrückbar." Er stellte fest, dass es eben nicht nur Schwarz "Der Wolf muss weg" oder Weiß "Der Wolf muss geschützt werden" gebe. Die Wahrheit, so Neuhoff liegt wahrscheinlich in der Mitte. In der Kreisgruppe des Gemeinde- und Städtebundes sowie in einem Gespräch beim Landrat, an dem auch der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Josef Schwan teilnahm, stellte man fest, dass es unterschiedliche Ansichten geben wird. Die Initiative von Staatsministerin Eder den Wolf in das Jagdrecht aufzunehmen, wird auf breiter Basis unterstützt.

Experten aus verschiedenen Bereichen kamen zu Wort
Die Landesregierung wurde durch Dr. Peter Sound vertreten. Er erläuterte, warum die Entscheidung gefällt wurde, den Wolf in das Jagdrecht aufzunehmen. Der Wolf, so Sound, ist 1998 nach Deutschland eingewandert. Seit den letzten Jahren haben sich vielerorts weitere Rudel gebildet. Der Schwerpunkt liegt, mit dem sogenannten Leuscheider Rudel, im Norden, also im Westerwald. Neben dem Leuscheider Rudel, das für zahlreiche Nutztierrisse "verantwortlich", sind die im Bereich Puderbach und dem Hunsrück recht "unauffällig", so Sound. Die Beobachtung ist in vielen Bereichen auch an das höherwertige Bundesrecht gebunden.

Julian Sandrini referierte über die Möglichkeiten des KLUWO. Das Koordinationszentrum wurde 2021 gegründet und kümmert sich in erster Linie um Monitoring und die Beratung der Nutztierhalter. Weitere wichtige Bereiche sind die Förderung von Herdenschutz und die Entnahme von genetischen Spuren bei Beutetieren. "Ohne die Unterstützung durch Elektrozäune kann, aus Sicht des KLUWO, kein effektiver Herdenschutz gewährleistet werden. Für die sogenannten Präventionsgebiete wird die Unterstützung gewährleistet", so Sandrini. Wichtig sei die Zusammenarbeit von KLUWO und den Nutztierhaltern.

Dr. med. vet. Michael Weiler nannte für seine Position zunächst die Tatsache, dass der Wolf aus unterschiedlichen Gründen in den Westerwald eingewandert ist. Weiler ist auch im zuständigen Ministerium im Land Hessen aktiv. Wichtig war ihm, dass klar wurde, wo sich die Wölfe gerne ansiedeln. Es ging in seinem Vortrag auch um die Frage, ob es sich wieder ändern könnte. Diese Frage konnte er mit Nein beantworten, es sei denn, dass alle Wölfe erneut "ausgerottet" würden. Seit dem Jahr 2000 wanderten die Wölfe aus den östlichen Bundesländern weiter in Richtung Südwesten. Der Wolf, so Weiler, sei ein sehr intelligentes Tier und lerne schnell, sich an Gegebenheiten anzupassen. Weiler nannte den Herdenschutz als eine der Möglichkeiten, dem Riss von Weidetieren zu begegnen. Müssen wir mit dem Wolf leben? So seine Frage. Wichtig ist nur, in welcher Form man mit dem Wolf leben kann und muss.



Schüsse von Jägern auf Wild lösen zwei unterschiedliche Reaktionen der Wölfe aus, so Weiler. "Der Wolf lernt schnell, dass nach einem Schuss für sie Nahrung "abfällt", weil Teile des Wildes zurückbleiben. Er verbindet den Schuss zunächst nicht mit einer Gefahr." Weiter sagte Weiler: "Für die Wölfe in unserer Region liegt an jeder Ecke eine Snack-Bude für die Wölfe. Der Wolf hat in dieser Gegend keine natürlichen Feinde und kann sich, auch aufgrund des Klimas, mehr oder weniger ungestört vermehren." Weiler räumte auch mit den landläufig bekannten "Märchen" auf. Diese lauten, dass der Wolf keine Pferde oder Rinder angreife. Bei der üblichen Weidehaltung in umzäunten Bereichen hat das Nutztier allerdings kaum eine Fluchtmöglichkeit. Sicher sei es für den Wolf leichter, Kleintiere zu bejagen, aber auch große Nutztiere werden anvisiert. Alles in allem stellte Weiler die offiziellen Zahlen infrage. Es muss, so Weiler weiter, nach Möglichkeiten der Koexistenz gesucht werden. Sehr wichtig sei es, den Begriff "Problemwolf" zu beschreiben. Für Weiler gibt es keinen "Problemwolf", da es sich um Natur handele und der Wolf für seine und die Nahrung für sein Rudel sorgen muss.

Nach einer Pause folgte eine lebhafte Podiumsdiskussion, in der die unterschiedlichen Standpunkte der Podiumsteilnehmer ebenso wie der Gäste zur Sprache kamen. Es werden weitere Veranstaltungen der Bürgerinitiative folgen. Auch die Politik aller Ebenen ist gefordert, um die Nutztierhalter besser zu unterstützen. (kkö)


Mehr dazu:   Veranstaltungsrückblicke   Wolf  
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