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Nachricht vom 28.02.2008    

MTB-Park: Replik auf Kritik

Mit fast schon missionarischem Eifer betreibt die Kreiswerwaltung die Einrichtung eines Mountainbike-Park im Landkreis Altenkirchen. Allenthalben haben sich schon Experten beziehungsweise Lobbyisten im Kreis sehen lassen, um die Vorzüge und Machbarkeit eines solchen Projekts anzupreisen. Es handele sich schließlich um eine Art sanften Tourismus. Dennoch will die Kritik nicht verstummen - bei Umweltschützern, Waldbesitzern und anderen. Die Kreisverwaltung wird also noch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen. Wir dokumentieren einen weiteren Versuch.

mountainbiker

Kreis Altenkirchen. "Dem Landkreis Altenkirchen ist beim Moutainbikepark daran gelegen, sachlich zu informieren und alle Beteiligten von vornherein einzubinden" - mit diesen Worten reagiert Landrat Michael Lieber auf die harsche Kritik der BUND-Vorsitzenden Elisabeth Emmert anlässlich des jüngsten Treffens der Kreisverwaltung zum Thema Mountainbikepark. Die Kreisverwaltung hatte die in der ersten Sitzung im Sommer vergangenen Jahres geäußerten Bedenken von den Sitzungsteilnehmern aufgenommen und entsprechende Lösungsvorschläge vorgestellt.
Die gesamte Sitzungsvorbereitung erfolgte in enger Abstimmung mit Dr. Thomas Wöhrstein von der Firma Outdoor-Concepts und der Weg wurde in anderen Mittelgebirgsregionen ebenso gewählt. Emmert stelle durch ihre Äußerungen nicht nur die Arbeit der Kreisverwaltung, sondern auch die bundesweit ausgewiesener und renommierter Experten in Frage. Wöhrstein habe das Konzept bisher über 30 Mal in Deutschland erfolgreich umgesetzt und sei von Bayern bis zur Eifel geschätzt. Die Konzeption sei auf den Kreis Altenkirchen anwendbar. Das setze die Bereitschaft zum Dialog und eine gewisse Offenheit voraus. Wer voreilige Schlussfolgerungen ziehe, lasse die Bereitschaft, konstruktiv an dem Projekt mitzuarbeiten, von vornherein vermissen. "Der Wald gehört allen, Waldbesitzern, Wanderern und Radlern und nicht einzelnen Interessengruppen", so der Landrat.
Auch die von Emmert getätigte Äußerung, der Kreis habe bewusst auf die Einladung der Presse verzichtet, um im Anschluss eine "beschönigte" Mitteilung zu verfassen, sei falsch und irreführend. Vielmehr habe man als Folge des ersten Treffens, das als öffentliche Anhörung stattfand und an dem Emmert nicht teilgenommen habe, ein weiteres Treffen durchgeführt, um offen über das Projekt diskutieren zu können. Dies habe auch grundsätzlich funktioniert und es wären neben klaren Standpunkten vereinbart worden, nach machbaren Strecken gemeinsam zu suchen. "Umso mehr bin ich über den nun von Frau Emmert gewählten Weg erstaunt. Zudem sieht der Kreischef die von Frau Emmert geforderte Machbarkeitsstudie nur als Vorwand an. Es gibt bundesweit Studien aus Mittelgebirgsregionen. Der Nutzen und die relativ günstige Machbarkeit ist nachgewiesen. Ich stelle mir die Frage, ob wir für die Ausschilderung von Mountainbikestrecken, die auf bereits vorhandenen Waldwegen verlaufen, wirklich ein teures Spezialgutachten benötigen. Die von Herrn Dr. Wöhrstein in jeder Sitzung aufgezeigten wirtschaftlichen Potentiale des Mountainbikings sind völlig ausreichend, um erkennen zu können, dass sich Mountainbiking in einer Mittelgebirgsregion wie dem Westerwald lohnt", so Lieber.
Richtig sei, dass das Projekt von vornherein Befürworter wie Gegner habe. Dies sei auch in der Veranstaltung klar zum Ausdruck gekommen. Offenbar habe sich Emmert jedoch über den Stand des Verfahrens nicht richtig informiert. Die Kreisverwaltung Altenkirchen habe bereits bei der ersten Informationsveranstaltung im Sommer 2007 mit der unteren Naturschutzbehörde diskutiert, welche MTB-Strecken unter gar keinen Umständen in Frage kommen. Diese in einer ersten Ideenskizze enthaltenen Wege werde man nicht alle ausweisen können.
Falsch sei auch der Vorwurf, die Wirtschaftsförderungsgesellschaft und die Gastronomie seien nicht eingebunden worden. So sei der Geschäftsführer der Westerwaldtouristik, Christoph Hoopmann, bei dem Treffen ebenso zugegen, wie auch der Vorsitzende des DEHOGA, Dirk Stähler und Touristiker Paul Hüsch, der zur Wirtschaftsförderungsgesellschaft gehöre. Diese forderten unisono seit längerer Zeit dieses Projekt.
Auch die von der Kreisverwaltung vorgelegte Rahmenvereinbarung mit dem Gemeindeunfallversicherungsverband sei von den Waldbesitzern als solide Grundlage gewürdigt worden, in die man Vorschläge einbringen wolle. Darüber hinaus sehe die Kreisverwaltung Altenkirchen in dem Projekt einen weiteren Baustein des "sanften Tourismus", da gelenkte Besucherströme weniger Störungen im Wald verursachten. Die Fahrradfahrer dürften gemäß dem Landeswaldgesetz auf bestehenden Waldwegen fahren. Die Lenkung sei dort ein geeignetes Mittel und werde sogar bundesweit in Jagdzeitschriften befürwortet. Warum jedoch Emmert diese von der Verwaltung vorgeschlagene Vorgehensweise nicht mittrage, bleibe im Kreishaus ein Rätsel, heißt es in der Presseerklärung. Emmert selbst habe in der Arbeitsgruppe "Verkehr, Umwelt und Siedlungsentwicklung" im Rahmen der Konzeptionierung des Leitbildes des Kreises Altenkirchen mitgearbeitet und dort den Ausbau des sanften Tourismus befürwortet. Es wäre jetzt konsequent, wenn sie an konkreten Projekten zur Umsetzung des Leitbildes und des vom Kreisentwicklungsausschuss einstimmig befürworteten Projektes konstruktiv mitwirke, "statt zu kritisieren und das Projekt zu blockieren", so die Kreisverwaltung.
Der Referent aus dem Frankenwald habe gezeigt, dass sich Naturschutzverbände wie der BUND positiv in ein solches Projekt einbringen können und der Verwaltung dabei helfen, bei kritischen Strecken andere Wege zu suchen.
Selbst wenn es unterschiedliche Rechtsauffassungen gebe: Entscheidend sei, dass Strecken nur im Konsens ausgewiesen werden können. "Nur wenn alle gesellschaftlich relevanten Kräfte beim MTB-Park an einem Strang ziehen, können wichtige Zukunftsprojekte wie dieses und auch andere im Bereich Wirtschaft, Energie und Tourismus angegangen werden. Denn wer Fachkräfte halten oder diese anwerben will, braucht auch gute weiche Standortfaktoren. Und dazu gehört auch ein MTB-Park. Der Westerwald gehört zu den ganz wenigen Mittelgebirgsregionen in Deutschland, die noch keinen MTB-Park aufweisen. Kommen diese ausgewiesenen Strecken nicht, wird den Menschen im Kreis ein Stück Lebensqualität vorenthalten" und die touristische Entwicklung werde eingeschränkt, meint Landrat Michael Lieber.
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Möglichst bald in trockenen Tüchern sollen die Pläne für einen MTB-Park im Landkreis Altenkirchen sein, wenn es nach dem Willen der Kreisverwaltung geht. Foto: Benno Buschmann/pixelio



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