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Nachricht vom 02.07.2014    

75 Jahre Westerwälder Eisenwerk gefeiert

Es hat einige Wandlungen durchgemacht, es war oben, es war unten und hat sich zwischenzeitlich neu erfunden. Musste sich neu erfinden, um bestehen zu können. Denn die Zeiten hatten sich geändert. Aber letztlich kann es stolz auf 75 Jahre zurückblicken: das WEW, das Westerwälder Eisenwerk in Weitefeld. Es ist ein Beispiel eines Unternehmens, das wirtschaftliche und politische Veränderungen in der Welt genutzt hat und gleichzeitig tief in der Heimat verwurzelt geblieben ist.

Landrat Michael Lieber (links) überreichte die Westerwaldfahne zur Jubiläumsfeier der Westerwälder Eisenwerke in Weitefeld. Fotos: Daniel Pirker

Weitefeld. Am Dienstag, 1. Juli, feierte das Westerwälder Eisenwerk seinen 75. Geburtstag. Ging man durch die Reihen der rund 150 Gäste, die sich in der festlich geschmückten Werkshalle eingefunden hatten, vernahm man Gespräche in verschiedenen Sprachen. Schließlich fanden sich neben der regionalen Politprominenz auch zahlreiche Kunden und Geschäftspartner aus aller Welt ein.

Diese geschäftliche Verankerung auch außerhalb Deutschlands macht ein Erfolgsgeheimnis der Weitefelder Firma aus. Und, das wurde gestern vor allem im Rückblick deutlich: Es war ein langer Weg vom Hersteller von Kochgeschirr zu High-Tech-Containern, die oftmals viel mehr sind als reine Transportbehälter. Mitte der 1990er erlebte das Unternehmen eine Zäsur, die sich als Glücksfall erweisen sollte. Die Firma litt an Überschuldung und erlebte die bei weitem schwierigsten Monate in der Unternehmensgeschichte, wie der Enkel des Gründers Dr. Paul Gerhard und Geschäftsführer Gerhard-de Vries darstellte. Außerdem machte die zunehmend internationale Konkurrenz den Weiterfeldern das Leben schwer.

„An einem trüben regnerischen Samstag“ trafen sich er und sein Bruder Till das erste Mal mit Dr. Ulrich Bernhardt und daraufhin sollte es wieder bergauf gehen. Zuvor musste sich das Unternehmen einer umfassenden Umstrukturierung unterziehen. Es konzentrierte sich fortan auf die Fertigung von Spezialcontainern und die Entwicklung von Speziallösungen für militärische Einsätze. Mittlerweile zählt die WEW zu den international führenden Herstellern von Trinkwasser– und Kraftversorgungssystemen. Sie rüstet die Bundeswehr und viele NATO-Partner aus, darunter die US-Armee oder die Britischen Streitkräfte.

Zählte das Unternehmen Mitte der 1990er noch 53 Mitarbeiter sind mittlerweile fast 130. 2013 mussten die Geschäftsführer allerdings Kurzarbeit verordnen. Aber mittlerweile sei auch diese Talsohle wieder überwunden, sagte Geschäftsführer Dr. Bernhardt – und machte gleichzeitig auch den Grund für die Widerstandsfähigkeit klar: „Vorne immer etwas mehr anbauen, als hinten weg bricht.“

Landrat Michael Lieber führte den Erfolg der WEW auf die mittelständische Kultur zurück, die gerade solche Firmen ausmache – eine Kultur, die auch mal Stürme übersteht. Die Firma repräsentiere alles, was die Region ausmache, „Mittelstand Pur“. Und dabei beschränke sich der Einsatz der Geschäftsführer nicht nur auf ihre eigene Firma. Besonders Dr. Bernhardt hob Lieber hier hervor. Immerhin ist er das Gesicht der Initiative „Anschluss Zukunft“.
In die gleiche Kerbe schlug der VG-Bürgermeister Wolfgang Schneider. Dr. Bernhardt sei mit einer Lokomotive für die Region zu vergleichen. Als Beispiele nannte er hier sein Engagement für die regionale Nachwuchsförderung und den DSL-Ausbau. Gerade der eigenständige Ausbau des schnellen Internets in Weitefeld lobte auch Ortsbürgermeister Dietmar Fuchs. Schließlich profitierte davon die gesamte Gemeinde.

Auch die Kunden und Geschäftspartner hatten nur Lob für den Partner übrig. Interessant war hier der Auftritt von Dr. Stefan Ziegenhagen von „Airbus Defence and Space“. Denn auch die Raumfahrtbranche gehört zu den Geschäftspartnern von WEW. Schließlich müssen Treibstoffe auch transportiert werden – in Spezialtanks der Weiterfelder. Und WEW habe sich hier als hoch flexibel und qualitativ hochwertig erwiesen. „Wir haben viel voneinander gelernt.“



Die Erwartungen in Qualität und Zusammenarbeit habe die Weitefelder Firma gar übertroffen, betonte Vize-Admiral Joachim Rühle vom Bundesverteidigungsministerium. Und das komme leider nicht so oft vor. Seit dem Kosovo-Einsatz bestehe die Zusammenarbeit und werde auch in Zukunft Bestand haben. Zum Beispiel sind die widerstandsfähigen WEW-Tanks für die mobile Trinkwasserversorgung in Afghanistan im Einsatz.

IHK-Vizepräsident Thomas Bellersheim bescheinigte Dr. Berhardt und Gerhard-de Vries die „richtige Strategie“ gewählt zu haben. Die Firma stehe für hohe Innovationskraft, was nicht zuletzt die zahlreichen Patente belegten, die WEW im Lauf der Jahre angemeldet habe. Die Firma habe sich zum Spezialisten, zum „Hidden Champion“ entwickelt. Und das Gestalten vor dem Hintergrund der Globalisierung sei für WEW kein Widerspruch zur regionalen Verbundenheit. Auch, dass man aktiv den Fachkräftemangel angehe, zeichne das Unternehmen aus.
Den Beweis trat Betriebsratsvorsitzender Timo Werthebach an, selbst noch relativ jung. Viele, die bei WEW ihre Ausbildung absolviert hätten, würden nun ihr Wissen an die heutigen Lehrlinge weitergeben. Und auch, wenn der Wind einem mal entgegen blase, freue er sich viele weitere Jahre. Was nicht zuletzt auch daran liege, dass man im Unternehmen stets um einen fairen Interessenausgleich bemüht sei.
Und die Landtagsabgeordneten demonstrierten Harmonie: Michael Wäschenbach und Peter Enders ( beide CDU), Anna Neuhoff (Grüne) und Thorsten Wehner (SPD) überbrachten ihre Gratulationen gemeinsam auf der Bühne. (ddp)


Eckdaten WEW (Quelle: Firma)
24.02.1939 mit Wirkung vom gleichen Tag Gründung des Westerwälder Eisenwerks durch Dr. Paul Gerhard
• Ab Mitte 1940 Fertigung in Elkenroth
• 21.06.1948 erste DM-Eröffnungsbilanz
• 16.05. 1955 Eintritt von Helmut Gerhard ins Unternehmen
• Ab 1956 erster Hallenbau in Weitefeld
• 1958 Erweiterung der Fertigung Weitefeld
• 01.01.1959 Umfirmierung in Westerwälder Eisenwerk Dr. Paul Gerhard KG
• 1961 Erweiterung in Weitefeld, Verlegung der gesamten Fertigung aus Elkenroth nach Weitefeld
• 11.07.1967 Tod von Dr. Paul Gerhard
• 1970 Hallenerweiterung in Weitefeld
• 01.01.1975 Umfirmierung in Westerwälder Eisenwerk Gerhard GmbH
• 1977/78 Neubau Bürogebäude Weitefeld
• 10.04.1978 Umzug von Elkenroth nach Weitefeld
• April 1992 Eintritt von Jan Gerhard-de Vries und Till Gerhard in die Geschäftsführung
• 18.06.1992 Tod von Helmut Gerhard, Fortführung der Geschäfte durch Jan Gerhard-de Vries und Till Gerhard
• 1994 Eintritt Dr. Ulrich Bernhardt als geschäftsführender Gesellschafter
• 1995 Umstrukturierung und Fokussierung auf Spezialcontainer durch Dr. Ulrich Bernhardt, Jan Gerhard-de Vries und Till Gerhard
• 05.01.2000 Einstieg der niederländischen BURG-Gruppe
• 2007 Verselbständigung und Umbenennung der Intermodal-Holding der BURG Gruppe in BUHOLD Industries B.V.
• 2008 Erweiterung der Produktion in Weitefeld
• 2012 Kauf des Nachbargrundstücks mit Halle von Spedition Wallmeroth, Beginn der Service-Aktivitäten in Halle 11
• 19.08.2013 Rückerwerb der Anteile der BUHOLD Industries B.V. durch die WEW Westerwälder Eisenwerk GmbH



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