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Nachricht vom 22.08.2014    

Erlebte Geschichte als Liebeserklärung an die Heimat

Ein Dreivierteljahr hatten die Bewohner von Heimborn, Helmeroth, Flögert, Altburg und Stein-Wingert gemeinsam mit Rebecca Staal, Dominique Macri, Rike Radloff, Anke Sauer, Marianne Cornil, Andrea Neumann, Fabian Müller und Dennis Cent in den Erinnerungen ihrer Heimatdörfer gekramt, Ideen gesammelt und deren Umsetzung vorbereitet. In einer spektakulären Fahrt durch die grüne Landschaft bei "Die 5 – eine Liebeserklärung an den Westerwald in 5D" durften Zuschauer an verschiedenen Stationen schließlich deren Geschichte erleben.

Die Kelten in Altburg kämpften um einen goldenen Tisch aus der Nister. Fotos: Thorsten Ladda

Heimborn/Helmeroth/Flögert/Altburg/Stein-Wingert. Als Rebecca Staal, Tochter von Felsenkeller-Chefin Margret Staal und Helmut Nöllgen vom Kulturbüro Altenkirchen, ihre Visionen zu "Die Fünf" im März 2014 erstmals in den einzelnen Dörfern vorstellte, reagierten die bodenständigen Westerwälder zunächst vorsichtig zweifelnd. Doch schnell ließen sie sich auf das Projekt ein und sorgten gemeinsam mit dem Organisationsteam dafür, dass Wäller Geschichte sicht-, hör-, fühl- und erlebbar wurde. Die Kroppacher Schweiz und das Nistertal waren Schauplatz des besonderen Theaterprojektes.

Heimborn
Zehn Mädchen brachten Jakob (Ulrike Schneider) und Adele (Sabine Schüchen) in Heimborn zur Welt. Über jedes freute sich das glückliche Paar genauso wie über das erste. Vor dem Haus des echten Jakob, Arthur Schneider, wurde diese bezaubernde Geschichte des Dorfes zum Vergnügen der Zuschauer in bester Theatermanier gespielt. Auch dem "Uhm" (Rudolf Peters), der mit seinen weißen Hirschen und weiteren phantasievollen Übertreibungen die Menschen immer wieder in seinen Bann gezogen hatte, zollte das Publikum Applaus. Hintergründe erklärte die Heimborner Erzählerin Nadja Pfeiffer vor den Augen der Strick-Frauen, bevor Schmitz Lina (Tanja Nowicki) mit Ulrich Schneider auf dem Motorrad die Reise zur nächsten Station ankündigte.

Helmeroth
In kleinen und großen Bussen, auf Planwagen und zu Fuß ging die Reise durch die mit selbstgenähten Fahnen geschmückte Westerwälder Landschaft bis zum Grenzübergang. Erst die richtige Antwort auf Fragen des Grenzers Uwe Thiel erlaubte den Zuschauern die Einreise von Preußen nach Hessen-Nassau, wo die Gäste an der Nister den Schwarzfischern Janine Fischer und Dirk Wäller begegneten. Sie vertrieb Helmeroths Bürgermeister Paul Stefes mit strenger Stimme.

In Helmeroth hatten Lausbuben, darunter Ottmar Löhr, einst der Tante Luise (Sandra Müller) mit einem großen Schneeball abends den Sitz des Plumpsklos verschlossen. Laut kreischend floh die alte Frau mit kaltem Hintern vom Ort des Schreckens. Wie lang so ein Film auf einer Rolle ist, wollte unter anderem Horst Dörwald als Kind wissen und rollte mit seinem Freund das Zelluloidband bis zum Ende ab. Dass der Film bei der Vorführung in der Schule anschließend das eine oder andere Grasbüschel enthielt, erzeugte so manchen Schmunzler. Ein eigens geschriebenes Lied bildete den krönenden Abschluss des Helmerother Besuchs.

Flögert
Töpfe mit Butter, Fisch und Eingemachtem wurden einst dem Töpfer-Jakob in Flögert gestohlen. Vorsichtig pirschte sich eine Kindertruppe an den kleinen Erzähler heran, um schließlich eines der salzglasierten Gefäße zu entwenden und in schnellem Galopp zu fliehen. Einen anderen der Töpfe erhielt eine Mutter mit vier Kindern aus dem Publikum mit auf den Weg.

Der wurde etwas später bei Magd Emma (Sabine Höller) und deren strenger Bäuerin (Gisela Klöckner) mit Butter gefüllt. Die arme Emma musste so manche Schelte und Drohung aushalten, bevor sie schließlich ihre Arbeit verweigerte. Dafür wollte die Chefin sie in der Nister ertränken. Zuvor gab sie aber den Reisenden, die Schmitz Lina weiter folgten, noch einen Laib Backesbrot mit.
An der Brücke in Flögert besang Landstreicherin Monika Alhäuser unter großem Applaus in einem Gedicht die Schönheit des Westerwaldes. Stolz berichtete eine Mitreisende, der Korb, den Monika Alhäuser dabei trug, habe ihrer Großmutter gehört. Überhaupt verschwammen die Grenzen zwischen Darstellern und Zuschauern. Viele Verwandte und Freunde erfreuten sich an den Geschichten und ergänzten zum Teil mit eigenen Erinnerungen.



Altburg
Den Kelten in der Altburg begegneten vor allem die Kinder mit großen Augen. Auf grünen Wiesen hatten sich die schrecklichen Gesellen (Marc und Marlon Dubois, Manfred Fetthauer, Frank und Svenja Höller, Christian Funk, Günter Brandenburger, Leon Lauterbach, Maria und Clemens Neuß) eine Behausung gebaut und sich an ihrem großen Kessel niedergelassen. Um einen goldenen Tisch, den einer in der Nister gefunden hatte, entbrannte ein fürchterlicher Kampf mit Schwertgeklirr und wütendem Gebrüll.

Stein-Wingert
Wie wohltuend war es da, den liebreizenden Waschfrauen in Stein-Wingert zu begegnen. Gestärkt von den Apfelringen der Mörsbacher Apfelschnitzerinnen, galt es, die schwere Arbeit der fleißigen Westerwälderinnen zu bewundern. Tanzend und singend – hier hatte Milena Lenz ein zauberhaftes Lied komponiert – präsentierte sich der Frauenkirchenchor Stein-Wingert in traditionellen Gewändern.

Heimborn
Mit Schmalzbroten, aus dem von der Bäuerin mitgebrachten Laib Brot geschnitten, und Holunderblütenlimonade stärkten sich die Reisenden an der Steinernen Brücke in Stein Wingert, um schließlich nach einer kurzen letzten Fahrt dem Treckerballett in Heimborn gebührende Aufmerksamkeit zu zollen. Tränen lachte das Publikum bei der gelungenen Komposition von schweren Maschinen in gezirkelter Choreographie und hauchzarten Tönen aus Schwanensee. Auch Peter Klöckner, Bürgermeister der VG Hachenburg, zeigte sich als Sponsor begeistert von dem gesamten Ergebnis.

Mit einem Fest an der Heimborner Grillhütte feierten die Organisatoren, Darsteller, Sponsoren, Helfer und Zuschauer den rundum gelungenen Höhepunkt Westerwälder Dorfgeschichte, zu dem sogar der Wettergott seinen Segen gegeben hatte.

Nun bleibt zu hoffen, dass die Veranstaltung auch bei der Jury zum Innovationspreis Soziokultur den gewünschten Eindruck hinterlassen hat. Für die Westerwälder, ihre Bewohner und all die Menschen, die diesen Tag miterleben durften, ist er bereits etwas ganz Besonderes. Und manch Darsteller hat offensichtlich Feuer gefangen: Weitere Theaterprojekte sind zumindest einmal angedacht. (mwa)


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