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Nachricht vom 25.01.2015    

Zukunft der Dörfer und Kleinstädte im Fokus

Die beiden Kirchengemeinden und die Verbandsgemeinde Hamm hatten zum 18. Neujahrsempfang Vertreter von Vereinen, Verbänden und Institutionen innerhalb der Verbandgemeinde ins Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Hamm eingeladen um den begonnenen Dialog fortzusetzen. Als besonderen Gast und Referenten wurde Prof. Dr. Gerhard Henkel begrüßt. Der als "Dorfpapst" bekannte Humangeograph kritisierte unter anderem die Neustrukturierungen der Gebietsverwaltungen ebenso wie die Zusammenlegung von Kirchengemeinden.

Prof. Dr. Gerhard Henkel gilt als Anwalt des Dorfes und hat durchaus Lösungen zu den Problemen des ländlichen Raumes. Fotos: Manfred Hundhausen

Hamm. Mit einem ökumenischen Gottesdienst begann der diesjährige Neujahrsempfang der beiden Kirchengemeinden und der Verbandsgemeinde Hamm in der katholischen Kirche „St. Josef“ und wurde anschließend im Dietrich-Bonhoeffer-Haus fortgeführt.

Pfarrer Andreas Stöcker von der evangelischen Kirchengemeinde konnte es sich nicht verkneifen, humorvoll in seiner Begrüßungsrede zur Erheiterung des Publikums, auf die jüngste Äußerung des Papstes, die menschliche Fortpflanzung nicht so wie die Karnickel zu praktizieren, einzugehen.
Er machte aufgrund der vielen auf dem Land geborenen Kinder die später aus beruflichen Gründen in die Stadt wechselten den Vorschlag, dass genau wie bei den Länderausgleichszahlungen, die Städte dafür Ausgleichszahlungen an die Dörfer leisten sollten.

Damit konnte sich der nächste Redner, Bürgermeister Rainer Buttstedt, nicht so richtig anfreunden. Buttstedt begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste aus der Verbandsgemeinde und Vertreter der Nachbargemeinden und freute sich besonders über den Besuch der Vertreter der muslimischen Gemeinde Hamm, den Vorstandsvorsitzenden Aziz Ata, sowie den Iman Akpinar.
In Anbetracht des schrecklichen Attentates von Paris appellierte Buttstedt, der Trauer nicht Rache folgen zu lassen und riet zur Besonnenheit im Umgang mit den muslimischen Mitbürgern. „Jugendarbeitslosigkeit und die daraus resultierende Perspektivlosigkeit können wir nicht gebrauchen“, sagte Buttstedt, „denn der daraus entstehende Frust führe zu solch unsinnigen Taten“.
Buttstedt ging auch in ein paar Sätzen auf die zukünftig vorrangig anstehenden Themen der Verbandsgemeinde, wie die wichtige zukünftige ärztliche Versorgung und den Breitbandausbau im ländlichen Raum ein.

Referent Humangeograph Prof. Dr. Gerhard Henkel, der in der Presse zeitweilig auch als „deutscher Dorfpapst“ oder auch als „Anwalt des Dorfes“ bezeichnet wird, befasst sich seit Jahren mit unterschiedlichen Themen der historischen und aktuellen Entwicklung des ländlichen Raumes.
„Auch im 21. Jahrhundert, in einer Zeit der Großstädte und Metropolen lebt die Hälfte der Deutschen auf dem Lande, doch in den 35000 Dörfern hat sich in den letzten Jahrzehnten sehr viel geändert“, verriet Henkel.
In seinem bemerkenswerten Vortrag mit Bildschirmpräsentation ging er auf die Chancen und Probleme, sowie die vielzitierte Landflucht aber auch eine wieder zunehmende „Landlust“ der Menschen ein. Er lobte die heutigen Strukturen der Verbandsgemeinden, die den Dörfern zugute kommen würden und bemängelte das vom Land an die Stadt verloren gehende Humankapital.



Die Zusammenlegung von Kirchengemeinden und die geplante kommunale Gebietsverwaltung bezeichnete er als Trauerspiel und als ein zentralistisches kaltes Durchsteuern von Reformen.
Bemerkenswert auch seine Erkenntnisse, dass ländliche Bewohner zufriedener als Städter seien und das die Chefs der größten deutschen Unternehmen vom Dorf stammten. Als Grund nannte er die auf dem Land erworbenen sozialen und emotionalen Kompetenzen. Henkel ging auch auf die Stärken und Schwächen der Dörfer ein.

Stärken: Naturnähe, Ökonomischer Bestand, Dichte der sozialen Beziehungen, Bereitschaft zu bürgerlichem Engagement, ländliche Lebensstile, Vereinsleben, Nutzgärten und Kleinviehhaltung sowie Zufriedenheit der Dorfbewohner.

Schwächen: Anhaltende Verluste der traditionellen Wirtschaftspotentiale, Verluste von Schulen, Gemeindeverwaltungen, Post, Polizei, Gasthöfen und Dorfläden, Leerstand von Gebäuden, wenig Arbeitsplätze für Hochqualifizierte, Abwanderung von Jugendlichen, zu wenig Netzwerke zwischen Vereinen, Bürgern und Behörden.

Er appellierte für eine Revitalisierung der Dorfkerne, ökonomische Stabilisierung, die Infrastruktur zu sichern und eventuell auszubauen, die Lebendigkeit und Wirksamkeit alter und neuer Vereine zu sichern und zu fördern, bürgerschaftliche Verantwortung und Engagement für das Dorf zu übernehmen sowie der Abwanderung von Jugendlichen entgegenzuwirken.
Mit dem Satz: „Letztlich kommt es auf die handelnden Menschen im Dorf an mit ihrer Kraft und Kompetenz etwas zur Erneuerung und zum Erhalt des Dorfes beizutragen“, beendete Prof. Dr. Gerhard Henkel seinen Vortrag.

Der A-Capella Chor "Aveloona" aus Altenkirchen umrahmte mit Liedvorträgen, unter anderem mit “Wait in a water”, Viva la Musica” und “Intrada a Capelle” beeindruckend die Veranstaltung und durfte ohne Zugabe den Saal nicht verlassen.

Als der Klarinettist Axel Hain mit seinem Instrument durch das Publikum schritt und den emotionalen Song „Die Rose“ spielte, konnte man die berühmte Stecknadel fallen hören. Ein musikalisches Highlight des Abends.
In lockerer Runde wurde zum Abschluss bei einem Umtrunk und Imbiss über das gehörte Thema und andere Themen, wie zum Beispiel des neuen Wechselkurses des Schweizer Franken diskutiert. Die VG Hamm hat Kassenkredite in der Schweiz aufgenommen und die Rückzahlung wird fällig. Das wird voraussichtlich einige Euro mehr kosten. (phw)


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