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Nachricht vom 24.09.2008    

Über die Phrasendrescher

Burkhard Spinnen, Gastautor der diesjährigen Westerwälder Literaturtage in Wissen, schreibt unter anderem über die Welt der Phrasendrescher. Bei seiner Lesung auf Schloss Schönstein stellte er neben seinem Buch „Mehrkampf“ auch ein weiteres Werk vor. Es trägt den Titel „Gut aufgestellt“ und befasst sich mit den Absurditäten der Wirtschaftssprache.

Wissen. Phrasendrescher haben Konjunktur. In der deutschen Wirtschaft, in Unternehmen und Verbänden, in Politik und Showgeschäft werden täglich Worthülsen verwendet, deren Aussagekraft bei näherer Betrachtung gegen null geht. „Gut aufgestellt“ - so eine gängige Floskel - sind sie dabei alle, vom multinationalen Unternehmen bis zur kleinsten Ortsgemeinde, denn leider hat der Sprachstil auch schon weite Teile der Politik erfasst.

„Gut aufgestellt“ ist daher auch der Titel eines Buches von Burkhard Spinnen, das er am Rande der Westerwälder Literaturtage auf Schloss Schönstein kurz vorstellte. Begonnen hatte die Arbeit eines „Phrasenführers durch die Wirtschaftssprache“ mit seiner Kolumne für das Handelsblatt, in der er die alltäglichen Absurditäten der Wirtschaftssprache aufs Korn nahm: „ein Thema herunterbrechen“, die „Zielvereinbarung“, das „Humankapital“, das „Beschwerdemanagement“, „Freistellen, verschlanken, entsorgen“ oder gar das berühmte „Nullwachstum“ - die Liste könnte fast beliebig ergänzt werden.

Die Zuhörer bei den Literaturtagen wollten mehr hören und so machte Spinnen mit dem Autorenkollegen Hanns-Josef Ortheil einen ganz kleinen Ausflug in die Welt der Sprachpanscher. Ein Beispiel? Die „Gewinnwarnung“: „Es wäre ja möglich, dass nämlich eine Gewinnwarnung tatsächlich von Unternehmen ausgegeben wird, um anzukündigen, man müsse demnächst einen namhaften Bilanzgewinn verkünden. Das ergäbe doch Sinn. Natürlich stimmt das nicht. Die Gewinnwarnung ist schlicht das Gegenteil von dem, was das Wort zu bedeuten scheint. Man warnt nicht vor dem Gewinn, sondern vor einem sich abzeichnenden Verlust. Man kündigt an, dass Erwartungen enttäuscht werden und Geld verloren geht“, schreibt der Autor. Das hat dann mit Gewinn nichts mehr zu tun. Schon seit einiger Zeit verfolge er mit Sorge, wie die Wirtschaftssprache eine Position des herrschenden Sprechens erobere, an der viele Menschen teilhaben wollen, ohne tatsächlich zu wissen, worüber man spreche, so Spinnen. (as)
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Burkhard Spinnen stellte bei seinem Besuch in Wissen auch sein Buch „Gut aufgestellt“ kurz vor.


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