Benefiz-Herbstfest an der Moschee Fürthen ein Erlebnis
Bislang einmalig in der Region war das Herbstfest der türkisch-islamischen Gemeinde in Fürthen. Die Jugendabteilung und der DITIB-Verein hatten das Fest organisiert, der Erlös fließt in die Flüchtlingsarbeit der Verbandsgemeinden Wissen und Hamm. Rund 200 Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern waren eingeladen und zum Teil geholt worden oder mit privater Begleitung gekommen.

Fürthen. Das Herbstfest der türkisch-islamischen Gemeinde in Fürthen war ohne Zweifel ein Erlebnis und ein Erfolg. Eine besondere Gastfreundlichkeit und Kennenlernen stand dabei im Vordergrund und die Hilfe für Flüchtlinge in den Verbandsgemeinden Hamm und Wissen. Viele Gäste kamen, darunter auch die offiziellen Vertreter aus Kreis, den beiden Verbandsgemeinden und der Polizei.
Für die Menschen aus den vielen unterschiedlichen Ländern war ein Fahrdienst organisiert worden, aber auch viele Privatpersonen, die ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit tätig sind, hatten Schützlinge mitgebracht. In Hamm und Wissen sind derzeit etwa 200 Personen untergebracht, die Zahl ändert sich laufend. Familien mit Kindern und Einzelpersonen sind bislang alle privat untergebracht.
Zur Eröffnung des Benefiz-Festes begrüßte Iman Hassan Akpinar und vom Vorstand des Vereins Asiz Atar die Gäste. Erinnerte wurde hier an das Schicksal der Millionen Flüchtlinge weltweit die Hilfe suchen. Das Schicksal der Kriegsflüchtlinge, insbesondere aus den Gebieten, wo der IS-Terror wütet, lasse niemanden unberührt. "Wir sind jetzt alle zur Hilfe aufgerufen, das Fest soll ein Beitrag sein", sagte der Iman. Der Dank galt den vielen ehrenamtlichen Helfern und Organisatoren, die für das Fest im Einsatz waren. Auch den vielen Spendern und Sponsoren, darunter wurde die Firma "büroboss" Hoffmann aus Wissen explizit erwähnt. Das Unternehmen hatte in großem Stil Schulranzen und Material für den Schulbesuch der Kinder und Jugendlichen gespendet.
Grußworte zur Eröffnung waren gewünscht, für die VG Hamm übernahm dies Dietmar Henrichs von der Verwaltung und für die VG Wissen der 1. Beigeordnete Friedhelm Steiger. Beide betonten unisono, wie sehr man das Fest und das Engagement begrüße. Es gehe um die Integration der Neubürger, um Kennenlernen und vielerlei Dinge, die für ein gemeinsames Zusammenleben wichtig seien. Dieses Fest sei ein wichtiger Beitrag, betonten die Redner und würdigten den Einsatz der Gemeinde in Fürthen, die ja immerhin viele Mitbürger der Region moslemischen Glaubens betreut und damit eine wichtige Anlaufstelle auch für Flüchtlinge der gleichen Religionszugehörigkeit ist.
Die langjährige Freundschaft mit der DITIB-Gemeinde in Fürthen betonte der Erste Polizeihauptkommissar Hans-Christian Schlemm, Leiter der Polizeiinspektion Altenkirchen. Mit Polizeibeamten aus Hamm, Wissen und Altenkirchen war er vor Ort beim Fest und betonte die Bedeutung des lebendigen Austausches und des gegenseitigen Respektes. "Alle müssen mithelfen, alle müssen die Spielregeln kennenlernen und einhalten, das betrifft Neubürger ebenso wie die einheimische Bevölkerung", meinte Schlemm. Die Polizei hatte sich noch etwas Pfiffiges einfallen lassen: So wurden Ansteckbuttons mit Bild auf Wunsch hergestellt und das gefiel nicht nur den Kindern.
Landrat Michael Lieber traf am Nachmittag ein und er würdigte dieses Fest als etwas ganz Besonderes und zeigte sich begeistert. Eine hervorragende Zusammenarbeit aller Beteiligten würdigte Nazim Demiray, einer der jungen Organisatoren. Er dankte alle Helferinnen und Helfern, den Fahrern und dem Kindergarten "Leuchtturm" Hamm, sowie der Franziskus-Grundschule Wissen. Hier hatten die Musik, die Lieder und die Tanzeinlagen für bewegende Momente bei den Flüchtlingen gesorgt. Bewegende Augenblicke schilderte Nazim Demiray auch dem AK-Kurier. Einer der jungen Flüchtlinge zeigte sich angesichts der Freundlichkeit der Polizeibeamten völlig überrascht. Vermutlich hat der Mann auf seinem langen Fluchtweg und in seiner Heimat völlig andere Erfahrungen gemacht. "Hier die Polizeibeamten sind alle freundlich und menschlich", hatte er zu Demiray gesagt. "Das hat mich sehr beeindruckt, denn im Endeffekt sind wir doch alle Menschen", sagte Demiray.
Der Sonnenschein an diesem Oktobertag trug zum Gelingen des Festes sicher bei. Aber die rund 40 ehrenamtlich tätigen Frauen und Männer der Gemeinde, die für Speisen und Getränke sorgten, hatten den Hauptanteil. Da gab es leckere Spezialitäten, wie etwa Cigköfte, Fleischspieße frisch vom Grill, rund 200 Fladen wurde gebacken, Salate und Kuchen waren im Angebot und vieles mehr. Alles war gespendet. Für die vielen Gäste aus den Herkunftsländern war der Genuss umsonst, die heimischen Gäste mussten bezahlen. Der Erlös wird gespendet.
Die Jugendabteilung der türkisch-islamischen Gemeinde mit Nazim Demiray und Busra Yilmaz erhielten Unterstützung von Havva Cetinkaya und Filiz Koyuncu aus Wissen (und weiteren Personen), als die Idee für das Fest entstand. Es gab viel Unterstützung, die Frauen und Mädchen standen in den Küchen und es wurde vorbereitet, gebacken und gekocht, die Männer übernahmen die Arbeit am Grill. Lecker war es auf jeden Fall, das zeigte der Andrang an den Ständen.
Kleidung, Schuhe und Haushaltsgegenstände konnten abgegeben werden und fanden schnell Abnehmer. Aber es gab auch die besonderen Momente auf dem Fest. Da waren junge Männer aus Eritrea, vor vielen Monaten aus ihrer Heimat geflohen, um dem dortigen Terror und der Verfolgung zu entgehen. Dann verlor man sich aus den Augen. Einige sind in Wissen untergebracht, einer in Rosbach. Sie trafen sich auf dem Fest wieder und wollen den Kontakt halten. Ehrenamtlich betreut Rainer Neibach die Männer im Alter von 19 bis 29 Jahren, die in Wissen seit kurzem untergebracht sind. Für sie steht jetzt Deutsch lernen auf dem Programm. Da gibt es manchmal ein ärgerliches Hindernis: denn erst wenn die Verfahren abgeschlossen sind können Asylbewerber am offiziellen Deutschkurs teilnehmen. Das dauert manchmal Monate und solange sind die Menschen zum Nichtstun verurteilt. Aber mit privater Hilfe und Unterstützung ist diese Zeit überbrückbar. Einer der jungen Männer erzählt in englischer Sprache, wieviel Mut ihm die private Hilfe gemacht hat. Und die ersten deutschen Sätze kommen perfekt. "Der Satzbau und die Grammatik sind sehr schwer", meint er lachend, aber er will lernen um seiner Familie zu helfen.
Seit vier Monaten lebt eine fünfköpfige Familie aus Mazedonien in Wissen. Die Schwestern Mirjata (19) und Ardita (17) baten um ein Foto. Sie sind glücklich in Wissen, Deutsch lernen und Schule sowie Ausbildung haben Priorität. Das Fest in Fürthen genießen die Mädchen in vollen Zügen, der kleine Bruder muss derzeit auf die Wintersachen aufpassen, die die Familie erhalten hat.
Das sind lediglich zwei Beispiele aus dem bunten Herbstfest, Menschen aus Pakistan, dem Irak, Syrien, Eritrea, Nigeria und vielen weiteren Ländern trafen aufeinander. Darunter die vielen Menschen aus der Region, die ihre Solidarität zeigten. Menschen mit Westerwälder Wurzeln und mit Migrationshintergrund, die schon lange ihre Heimat an der Sieg in der Region Hamm und Wissen und darüber hinaus gefunden haben. Da zeigte sich deutlich: Menschsein, Freundlichkeit und Respekt voreinander sind nicht an Grenzen und unterschiedliche Religionen oder Nationalitäten gebunden. (hws)
Zum Erlös des Herbstfestes wird es eine gesonderte Information geben.
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