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Krise macht sich bemerkbar
Die aktuellen Zahlen der Agentur für Arbeit, die am Mittwochmorgen veröffentlicht wurden, machen es deutlich: Im Dezember hat sich zum ersten Male die weltweite Wirtschaftskrise auch auf dem Arbeitsmarkt der Region ausgewirkt. Damit ist klar: Nicht nur der Wintereinbruch fordert seinen Tribut. Auffallend ist auch, dass inzwischen viele Betriebe verstärkt auf Kurzarbeit setzen.
Kreis Altenkirchen/Region. Der frühe Wintereinbruch fordert seinen Tribut, aber auch die von vielen Experten vorhergesagte Wirtschaftsflaute macht sich zum Jahreswechsel bemerkbar: 9173 Menschen waren Ende Dezember im Arbeitsagenturbezirk Neuwied arbeitslos gemeldet – 793 mehr als vier Wochen zuvor. Die Arbeitslosenquote stieg von 5,2 auf 5,7 Prozent an. Die Zahl der offenen Stellen geht auf 638 zurück. "Damit registrieren wir zwar immer noch rund 700 Arbeitslose weniger als vor einem Jahr. Aber die Entwicklung ist so deutlich, dass wir nicht allein von der zu dieser Jahreszeit üblichen saisonbedingten Schwächung des Arbeitsmarktes ausgehen können", so Arbeitsagenturleiter Karl-Ernst Starfeld. Dafür, so der Experte, sprächen auch noch andere Indizien. So sind Männer mit einem Plus von 615 deutlich stärker vom Arbeitsplatzverlust betroffen als Frauen, bei denen der Wert um 178 angestiegen ist. "Das zeigt sehr deutlich, dass es Branchen sind, in denen vor allem Männer arbeiten, die jetzt ihr Personal reduzieren. Das gilt für wetterabhängige Betriebe wie das Baugewerbe genauso wie für Konjunktur geschwächte Unternehmen wie etwa die Autozulieferer."
Aber nicht nur die Arbeitslosenzahlen selbst zeigen an, dass der Arbeitsmarkt nach Monaten der Entspannung zumindest vorübergehend einen Dämpfer bekommen hat. "Wir stellen auch fest, dass deutlich stärker auf Kurzarbeit zurückgegriffen wird als das in den letzten Jahren der Fall war", betont der Agenturleiter. Waren es im November noch 20 Unternehmen, die für 445 Beschäftigte Kurzarbeit anzeigten, so sind es Ende Dezember bereits 50 Betriebe mit 2616 Beschäftigten. Noch deutlicher fällt der Vergleich zum Vorjahr aus: Damals meldeten im November 11 Betriebe 67 Beschäftigte an. Im Dezember 2007 waren es 13 Betriebe mit 137 Beschäftigten. Nicht einbezogen in diese Daten sind die Bezieher des so genannten Saison-Kurzarbeitergeldes, mit dem vor allem die Baubranche witterungsbedingte Entlassungen vermeiden kann.
"Wir gehen davon aus, dass es bislang vor allem die Beschäftigten von Zeitarbeitsfirmen und jene mit befristeten Verträgen sind, die ihre Stelle verloren haben. Das Stammpersonal versuchen viele Betriebe durch Überstundenabbau, verlängerte Betriebsferien oder eben auch Kurzarbeit über die Flaute zu retten." Mit gutem Grund, meint Karl-Ernst Starfeld. "Auch wenn die Wirtschaft in Folge der weltweiten Finanzkrise derzeit schwächelt: Der Fachkräftemangel kommt trotzdem mit Riesenschritten auf uns zu. Und Grund zur Panik gibt es trotz der leichten Eintrübung aus unserer Sicht ohnehin nicht. Schließlich stehen wir noch immer deutlich besser da als vor einem Jahr."
Im Landkreis Altenkirchen waren Ende Dezember 3666 Menschen arbeitslos gemeldet – 401 mehr als vier Wochen zuvor. Damit stieg die Arbeitslosenquote stieg von 4,7 auf 5,3 Prozent an. Dies sind immer noch 360 Arbeitslose mehr als vor einem Jahr, die Tendenz ist allerdings deutlich. Die Zahl der offenen Stellen ging auf 160 zurück. Bei den Männern ist ein Plus von 279 zu verzeichnen, bei den Frauen von 122.
STICHWORT KURZARBEIT
Mit Kurzarbeit sollen Entlassungen in Betrieben verhindert werden, die vorübergehend und aus wirtschaftlichen Gründen die Arbeitszeit senken müssen. Das Kurzarbeitergeld ist eine so genannte Lohnersatzleistung, die aus Mitteln der Arbeitslosenversicherung finanziert und nur für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte von der Agentur für Arbeit gezahlt wird. Grundsätzlich kann das Kurzarbeitergeld bis zu sechs Monate gezahlt werden. Zurzeit ist diese Frist jedoch vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales auf 18 Monate verlängert. Kurzarbeitergeld kann von Unternehmen bei der Agentur für Arbeit angezeigt werden, wenn etwa aus wirtschaftlichen Gründen ein erheblicher Arbeitsausfall vorliegt, der vorübergehend und unvermeidbar ist. Von einem erheblichen Arbeitsausfall geht die Agentur zum Beispiel dann aus, wenn mindestens ein Drittel der Belegschaft auf jeweils mehr als zehn Prozent ihres monatlichen Entgeltes verzichten muss. In diesen Fällen übernimmt die Arbeitsagentur zwischen 60 und 67 Prozent der Nettodifferenz.
Eine Sonderform dieser Leistung ist das Saison-Kurzarbeitergeld, das in den letzten Jahren für verschiedene wetterabhängige Branchen - wie Baugewerbe, Dachdecker, Garten- und Landschaftsbauer - eingeführt wurde und die regelmäßigen Entlassungswellen in den Wintermonaten verhindern soll. Das Saisonkurzarbeitergeld wird wie das normale Kurzarbeitergeld berechnet, die Arbeitsagentur übernimmt jedoch zusätzlich die Sozialabgaben des Arbeitgebers für die Zeit des Ausfalls.
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