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Nachricht vom 22.09.2018    

Jahrmarktseröffnung in Wissen: Die Tradition der guten Tat

Von Andreas Schultheis

Der 49. Wissener Jahrmarkt ist in vollem Gang. Mit der Eröffnung durch Schirmherrin Sabine Bätzing-Lichtenthäler, Sozialministerin von Rheinland-Pfalz, füllte sich der Platz des Wissener Jahrmarktes unterhalb der Westerwald Bank zusehends. Für das leibliche Wohl ist dort auf vielfältige Weise gesorgt. Und das Bühnenprogramm kann sich an beiden Tagen sehen lassen. Schon früh am Samstagmorgen waren einige Buden Ziele von interessierten Käufern.

Jan (links) und Thomas Lobjinski haben schon früh am Morgen Kräbbelchen für den guten Zweck gebacken und verkauft. (Foto: as)

Wissen. Während an vielen Buden beim Wissener Jahrmarkt noch gewerkelt wird, läuft die Produktion am Stand von Jan und Thomas Lobjinski schon auf vollen Touren: Die Kräbbelchen werden hier schon am frühen Morgen des Marktsamstags nachgefragt. Zwischen 3.500 und 4.000 gehen nach Schätzung der Brüder am Jahrmarktswochenende über die Verkaufstheke. Auch nebenan bei den Flohmärkten – Porzellan, Schmuck, Kinderspielsachen, Kunst, Bücher, Schallplatten und CDs – geht das Geschäft schon früh los: „Die ersten Kunden sind um 8 Uhr da“, berichtet Jahrmarkts-Urgestein Herbert Stangier. Denn was ein passionierter Flohmarktgänger ist, der weiß, wann sich die echten Raritäten finden. Vor allem bei den Schallplatten und CDs schauen manche Interessenten so früh wie möglich vorbei, berichten Florian Marhöfer, Jannick Brück und Winfried Wagner. Und die Auswahl ist riesig: Rund 2.000 CDs, so schätzen sie, sind zu verkaufen, und um die 5.000 Schallplatten.

Nach der Eröffnung geht es los
Gegenüber an der Wurfbude sind Sebastian Hendriks und Marcus Fahrtmann noch nicht so weit. Die Dosentürme müssen noch aufgebaut werden. Auch am Cocktailstand tummeln sich noch keine Kunden, hier wird noch Obst geschnitten für die leckeren Getränke. Erst nach der offiziellen Eröffnung des Marktes geht erfahrungsgemäß der Betrieb los, so wie an vielen anderen Ständen auf dem Platz des Wissener Jahrmarktes.

Schirmherrin: Hier lebt man globale Verantwortung
Als Schirmherrin des diesjährigen Jahrmarktes in Wissen sprach die rheinland-pfälzische Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler von der „Tradition der guten Tat“, für die der Jahrmarkt stehe. Hilfe für andere gehe hier weit „über die eigenen Vorgärten hinaus“, in Wissen lebe man globale Verantwortung vor Ort. Vieles habe sich verändert rund um den Jahrmarkt: Es begann 1969 mit einer spontanen Nothilfe für hungernde Menschen in Biafra, heute stehe der Gedanke der Hilfe zur Selbsthilfe im Vordergrund. Vieles sei aber auch unverändert, insbesondere der enorme Einsatz der Menschen vor Ort. Die Ministerin dankte ausdrücklich den rund 600 Ehrenamtlichen vor und hinter den Kulissen. Der Jahrmarkt zähle zu den absoluten Highlights der Region, er wirke weit über die Grenzen von Wissen hinaus. Dieser Wertung schlossen sich auch Landrat Michael Lieber, Bürgermeister Michael Wagener und Stadtbürgermeister Berno Neuhoff an, die – auch das hat Tradition – jeweils Schecks von Kreis, Verbandsgemeinde und Stadt an Jahrmarktsprecher Johannes Bender übergaben. Der freute sich über einen weiteren Scheck: Den übergab Peter Greiner, Vorstand der genossenschaftlichen PSD-Bank in Koblenz. Die beiden Pfarrer Marcus Tesch und Martin Kürten würdigten ebenfalls den Einsatz der Wissener für den Jahrmarkt. Dieser Einsatz zeuge, so Kürten, von einem besonderen Blick auf die Welt.



„Der Herrgott verlässt seine Haudegen nicht!“
Pater Rudolf Holzgartner von den Steyler Missionaren, für deren Wohnbau-Projekt im philippinischen Cebu City der diesjährige Jahrmarktserlös bestimmt ist, berichtete von seiner Arbeit und der der Mitbrüder in Asien. Die Menschen, die von der Wissener Hilfe profitieren sollen, leben in erbärmlichen Verschlägen am Rande der gigantischen Müllberge von Cebu City. Mit bloßen Händen durchwühlen sie den Abfall nach Verwertbarem wie Plastik, Papier, Pappe, Metall oder Holz und sogar Essbarem. Ständig giftigen Dämpfen ausgesetzt, durchstreifen sie die Müllhalden ohne festes Schuhwerk, oft sogar barfuß. An Schulbesuch ist für diese Kinder gar nicht zu denken. Mädchen geraten häufig in die Fänge von Menschenhändlern, werden bedroht, wenn sie zur Schule gehen. Auch er selbst habe Morddrohungen erhalten, so Holzgartner, er zeigte sich aber überzeugt: „Der Herrgott verlässt seine Haudegen nicht!“ Das wünscht man sich in Wissen natürlich ganz besonders für das Jahrmarktwochenende – auch mit Blick auf die unsicheren Wetterprognosen. Weder die kulinarische Versorgung noch das Unterhaltungsprogramm dürften dabei Wünsche offen lassen.

Viele Tausend Kleinigkeiten
„Es sind viele Tausend Kleinigkeiten, die im Hintergrund laufen, die ineinander greifen und bei denen man einfach wie selbstverständlich Hilfe bekommt, noch bevor man tatsächlich gefragt hat“, erläuterte Johannes Bender zum Abschluss der Eröffnung und dankte damit vielen Unterstützern rund um den Jahrmarkt: der Geschäftswelt für das Sponsoring von Tombola-Preisen, den Anwohnern und Nachbarn des Platzes für manche Beeinträchtigung und für das Bereitstellen von Parkflächen, Stadt und Verbandsgemeinde für bürokratische und logistische Hilfe, der Westerwald Bank für die Nutzung ihrer Räumlichkeiten, dem Christlichen Jugenddorf für das Überlassen von Verkaufsbuden, der DJK Wissen-Selbach für das Equipment im Kinderparadies, der Wissener Tafel für die Kühllogistik und , und , und … An einen erinnerte er indes namentlich: Pfarrer Hans Helmut Niederhausen, der als Kaplan in Wissen zu den Männern der ersten Stunde beim Jahrmarkt gehört hatte, war im August verstorben. (as)



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