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Nachricht vom 16.10.2018    

Weniger Konsum, mehr Leben: Jeder ist für eine gesunde Erde verantwortlich

Einen Bruch mit dem Wachstumsdogma fordert Niko Paech, eine Kultur der Genügsamkeit solle man pflegen. Die Zuhörer wachrütteln, das wollte der Hochschullehrer mit seinem Vortrag in Enspel, der im Rahmen der Westerwälder Literaturtage 2018 stattfand. Leider wies er mit seinem Zeigefinger nicht in Richtung Politik oder Industriebosse, sondern zunächst nur auf „dich und mich“.

Einen Bruch mit dem Wachstumsdogma fordert Niko Paech. (Foto: Tatjana Steindorf)

Enspel. Die Zuhörer wachrütteln, das wollte Professor Niko Paech mit seinem Vortrag in Enspel, der im Rahmen der Westerwälder Literaturtage 2018 stattfand. Leider wies er mit seinem Zeigefinger nicht in Richtung Politik oder Industriebosse, sondern zunächst nur auf „dich und mich“: Schön in den Urlaub fliegen – oder in die nächste Großstadt zum Shoppen? Eine Kreuzfahrt mit allem drum und dran? Das erscheint fast jedem wie der Himmel auf Erden. Doch dieser Traum ist eigentlich die Hölle: für Pflanzen, Tiere und die Menschheit, die sich mit dem hohen Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) selbst zerstört. Wer den Vortrag des Volkswirts Niko Paech im Stöffel-Park verfolgt hat, weiß, dass es so nicht weitergeht. Und dass Beschränkung kein Leid bedeutet, sondern mehr Lebensqualität, wurde den vielen Zuhöreren in der Alten Schmiede auch noch vermittelt.

Die Energiewende wird zur Blamage
Windräder, Sonnenpaneelen – damit mag man sich schmücken, doch es hilft unserer Erde nicht weiter, belegt Paech anhand von Statistiken. Die (so genannte) Energiewende sei eine der größten Blamagen. „Wir verbrauchen zu viel CO2“, stellte der autor des Buches „Befreiung vom Überfluss“ fest, der an den Universität Siegen und Oldenburg lehrt, und fordert, Konsum zu reduzieren. Die alternativen Energien seien verschwindend gering – im Vergleich mit dem Verbrauch von Mineralöl und Gas. Dennoch würden Unsummen dafür ausgegeben. 2017 wurden in Deutschland pro Tag durchschnittlich rund 2,45 Millionen Barrel Öl verbraucht, das ist auch im Internet schnell nachzulesen. Bei einem Klimaziel von 2 Grad bis zum Jahr 2050 und 7,3 Milliarden Menschen hieße das: Jeder Mensch auf der Erde dürfte nicht mehr als 2,5 Tonnen pro Jahr verbrauchen. Der Verbrauch liegt etwa bei dem Vierfachen.

Bruch mit dem Wachstumsdogma
Ein „Bruch mit dem Wachstumsdogma ist nötig“, sagt Paech. Damit meint er auch den Bausektor, der immer mehr Land, das für Natur und Landwirtschaft wertvoll sei, zerstöre. Parallel dazu wird die Wohnfläche pro Person immer größer. „Wir sind dabei, die Natur abzuschaffen.“ Auch das Umweltbundesamt ist seiner Meinung: „Nach den Regeln der Nachhaltigkeit soll die Nutzung einer Ressource auf Dauer nicht größer sein als die Rate ihrer Erneuerung. Böden stellen eine nicht erneuerbare und damit begrenzte Ressource dar.“ Laut Glücksforschung steigt in unserer Gesellschaft seit Jahrzehnten das positive Gefühl nicht mehr, wir würden an „Komsumverstopfung“ samt Stress und Burnout leiden, so Paech. Und weiter: „Wir brauchen Zeit, das Leben zu genießen.“



Kultur der Genügsamkeit pflegen
Paech, dessen Stimme trotz starker Erkältung durchhielt, empfahl zunächst jedem, seine eigene CO2-Bilanz zu errechnen. Dann gelte es, die Arbeitszeit von 40 auf 20 Stunden pro Woche zu reduzieren. Die freie Zeit stehe dann bereit, um sie für „Dinge ohne Geld“ zu nutzen und die Kultur der Genügsamkeit zu pflegen. Außerdem wäre es förderlich, (handwerkliche) Fähigkeiten in sozialen Netzwerken einzubringen. Gärtnern, reparieren statt wegwerfen, teilen, helfen, kreativ werden – all das gehöre dazu.

Die Veranstaltung war bestens besucht. Martin Rudolph, Leiter des Stöffel-Parks, und Johannes Schmidt vom Kulturbüro der Verbandsgemeinde Westerburg durften noch eifrig Stühle herbeischleppen für das Event, das zu den 17. Westerwälder Literaturtagen mit dem diesjährigen Motto „Industrie-Kultur“ zählte. (Tatjana Steindorf)

Wie man sich weiter mit der Thematik beschäftigen kann? Hier gibt es die Möglichkeit:
• Wie hoch die eigene CO2-Bilanz ist, erfährt man hier: http://www.uba.co2-rechner.de/de_DE/
• Wer Food Sharing betreiben möchte, etwa weil die eigenen Obstbäume mehr tragen als man ernten kann, lädt andere über diese Plattform zum Miternten ein: https://mundraub.org/




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