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Nachricht vom 25.10.2018    

Digitalisierung am Arbeitsmarkt erfordert mehr Weiterbildung

INFORMATION | Das Thema „Chancen und Risiken der Digitalisierung am regionalen Arbeitsmarkt“ stand im Mittelpunkt eines Erfahrungsaustausches, zu dem Karl-Ernst Starfeld, Leiter der Arbeitsagentur in Neuwied, Arbeitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler, regionale Unternehmer und Entscheider sowie Dr. Gabriele Wydra-Somaggio vom IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung) einlud.

Von links: Karl-Ernst Starfeld, Sabine Bätzing-Lichtenthäler, Andreas Reuter, Gabriele Wydra-Somaggio, Vural Kurutas. Foto: Arbeitsagentur

Neuwied. Sabine Bätzing-Lichtenthäler brachte es bereits in den ersten Minuten der Veranstaltung auf den Punkt: „Digitalisierung ist ein Megatrend, von dem alle Lebensbereiche betroffen sind“, so die gebürtige Altenkirchenerin. Vor Dramatisierungen, wie die Studie von Osborne und Frey (2013), nach der 49 Prozent der Arbeitsplätze in den USA der Digitalisierung zum Opfer fallen, warnte sie allerdings. „Fakt ist, dass Arbeitsplätze und Berufsbilder sich verändern und anspruchsvoller werden“, so die Ministerin. „Wenn wir mit diesem Wandel nicht mitgehen, werden Sie den Anschluss verpassen, egal in welcher Branche Sie agieren“, appellierte sie an die Unternehmer gewandt.

Ob und wie viele Arbeitsplätze in unserer Region von Veränderungen betroffen sind oder gar ganz der Automatisierung zum Opfer fallen, kann zum heutigen Zeitpunkt nur geschätzt werden. Nach Berechnungen des IAB werden deutschlandweit 1,5 Millionen Arbeitsplätze verschwinden, aber auch 1,5 Millionen neue Arbeitsplätze durch die Digitalisierung geschaffen. Allerdings ist ein fließender Übergang ohne Entlassungen nicht zu erwarten. „Die Digitalisierung wird sich vor allem auf Jobs auswirken, in denen die Aufgaben standardisiert und routinemäßig wiederholt werden können“. sagt Dr. Gabriele Wydra-Somaggio.

Das Maß für die Ersetzbarkeit von Tätigkeiten, das so genannte Substituierbarkeitspotenzial, ist erreicht, wenn 70 Prozent der Tätigkeiten in einem Beruf auf Basis heutiger Technik standardisiert, digitalisiert und automatisiert werden können. Von einem hohen Substituierbarkeitspotenzial betroffen sind im Kreis Neuwied 29,9 Prozent der Beschäftigten, im Kreis Altenkirchen 34,6 Prozent. „Das heißt jedoch nicht, dass rund jeder dritte Arbeitnehmer durch die Digitalisierung seinen Job verliert. Es werden einerseits neue Tätigkeiten entstehen und andererseits werden sich bestehende Berufsbilder verändern“, so die Arbeitsmarktexpertin.

Dieser These pflichteten auch die beiden Unternehmensreferenten bei, die sich bereits im Digitalisierungsprozess befinden. Die Stelle von Vural Kurutas, Project Engineer bei ArcelorMittal Auto Processing am Standort Neuwied wurde eigens dafür eingerichtet, den Wandel am Standort Neuwied zu begleiten. „Die vom IAB berechneten Risiken für die Region spiegeln gut wider, was bei uns im Unternehmen passiert“, so Kurutas. Zu Beginn seiner Tätigkeit war er der Meinung, dass Automatisierung häufig mit Stellenabbau gleichzusetzen ist. Dieses Bild hat sich inzwischen geändert. Der Prozess der Automatisierung war im Hinblick auf Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität als Arbeitgeber zwar unumgänglich – jedoch war damit kein Personalabbau verbunden, sondern eine qualitative Veränderung der Anforderungen an die Stellen. „Die eher einfachen, meist körperlich belastenden Arbeitsplätze gehen zwar verloren, aber diese Arbeitsplätze sind genau die, die niemand mehr machen möchte oder kann“, so Vural Kurutas.



Bei Andreas Reuter, Geschäftsführer bei SSI Schäfer Shop GmbH in Betzdorf, waren nicht die Entlassungen im Mittelpunkt. Er stand bei Antritt seines Postens vor der Aufgabe, aus einem Unternehmen, dessen Geschäftsmodell primär auf Kataloghandel basierte, ein digitales, konkurrenzfähiges Unternehmen zu machen. Mit Einbeziehung seiner Mitarbeiter gelang es, Panik im Betrieb zu vermeiden und Fachkräfte zu sichern. „Wir haben versucht, das Team da abzuholen, wo es steht Nur so konnte der Wandel gelingen“, sagt Reuter. Mit Ideenwettbewerben, Schulungen und viel Kommunikation, aber auch Qualifizierung von eigenen Führungskräften und einem immer offenen Ohr für die Anliegen der Mitarbeiter hat der Prozess Früchte getragen. „Das Ergebnis des anstrengenden Weges ist, dass wir heute wieder wachsen“, so Reuter.

In der anschließenden Podiumsdiskussion mit den Referenten kam es zu einem regen Austausch mit den regionalen Unternehmern. Wann wird die Digitalisierung auf uns zukommen? Was wird von Seiten des Landes – zum Beispiel bei der Infrastruktur und in den Schulen– dafür getan, die Menschen für die Arbeitsfelder der Zukunft zu befähigen? Wie sollen die kleinen und mittleren Unternehmen den Kostenapparat stemmen, den ein solcher Prozess mit sich bringt? Das derzeit omnipräsente Thema Digitalisierung sorgt bei vielen für Unsicherheit und wirft eine Menge Fragen auf.

Für Karl E. Starfeld, gemeinsam mit seinem Team Ideengeber und Organisator, ist die Digitalisierung eine besondere Herausforderung durch die zunehmende Schnelligkeit des Prozesses. „Mit dieser Geschwindigkeit bei der Entwicklung und Anpassung von Aus- und Weiterbildungswegen Schritt zu halten, ist eine große Aufgabe, der sich die Akteure am Arbeitsmarkt gemeinsam stellen sollten.“

Sabine Bätzing-Lichtenthäler ermutigte abschließend die Teilnehmer dazu, den Wandel nicht nur als Risiko, sondern auch als große Chance für die Zukunft zu sehen. „Die Landesregierung arbeitet derzeit zusammen mit ihren Partnern am Masterplan „Zukunft der Arbeit“, der einen Rahmen für die Digitalisierung der Arbeitswelt in Rheinland-Pfalz bieten wird und diese so für Arbeitgeber und Arbeitnehmer gerecht gestalten soll.“



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