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Nachricht vom 29.03.2010    

Erosionskataster sorgt für Ärger bei den Bauern

Das geplante Erosionskataster sorgt für Unmut bei den Landwirten im Kreis Altenkirchen. Bei der Mitgliederversammlung wurde dies deutlich und lebhaft diskutiert. Die Landwirte fordern praktikable Lösungen. Auch ging es im Gastvortrag um die Arbeit des Bauernverbandes,der als Berufsverband der Landwirte auftritt.

Kreis Altenkirchen. Die Mitgliederversammlung des Kreisbauernverbandes in Breitscheidt, schwach besucht, zeigte die neuen Probleme auf, die auf die Landwirte in wenigen Wochen zukommen. Das Erosionskataster (es soll im Mai in Kraft treten) sorgt für Unmut, dies wurde in der Diskussion und in den Ansprachen deutlich. Kreisvorsitzender Georg Groß ging nach der Begrüßung und dem Rückblick auf die Herausforderungen ein, die das Jahr für die Bauern bringen wird. Zum Thema Milchmarkt, der sich hochinteressant entwickele, müsse man sich in die Diskussion einbringen. „Wir müssen uns der Konzentration der Anbieter entgegenstellen“, sagte Groß. In seiner Kritik stand auch die neue Vorlage des Landesjagdgesetzes. Bevor die Lobby der Jäger in Mainz aufgetreten sei, sei es ja noch akzeptabel gewesen. Aber mit der neuen Vorlage, wo die Pachten inklusive der Wildschäden nach oben gedeckelt seien, blieben die Bauern auf den Wildschäden sitzen.
Das prämienbezogene Erosionskataster, das die Klassifizierung nach EU-Richtlinien vorsieht, hält Groß für nicht nachvollziehbar. „Wir brauchen Lösungen, die praktikabel sind, wenn der Pflug nicht mehr zum Einsatz kommen kann“, forderte er. Groß sprach von einer Bürokratie, die den Bauern übergestülpt werde und von Wertverlust und Enteignung.
Das Erosionskataster sieht zum Schutz der Böden ein Pflugverbot je nach Klassifizierung vor. So ist in Rheinland-Pfalz insbesondere die Wassererosion von Bedeutung. Hierzu werden die Flächen in Gefährdungsklassen nach dem EU-weit gültigen Cross Compliance (CCW 1 und CCW 2) eingeteilt. Bei Klasse 1 besteht vom 1. Dezember bis 15. Februar Pflugverbot. Nach der Ernte gepflügte Flächen sind vor dem 1. Dezember einzusäen. Bei der Klasse 2 sollen die Böden möglichst ganzjährig mit einer Pflanzendecke oder Ernteresten bedeckt sein. Hier erstreckt sich das Pflugverbot ebenfalls auf die Wintermonate, zusätzlich aber dürfen diese Böden im Jahresverlauf nur gepflügt werden, wenn unmittelbar eine Aussaat erfolgt. Vor der Aussaat von Reihenkulturen ab mindestens 45 Zentimeter Reihenabstand (z. B. Rüben, Mais, Kartoffeln) darf der Pflug nicht eingesetzt werden.
Der Unmut zur neuen Erosionsschutzrichtlinie kam aus den Reihen der Mitglieder. Seit 2004 ist diese EU-Richtlinie in der Diskussion und die Umsetzung wurde zur Zufriedenheit des Bauern- und Winzerverbandes immer wieder verschoben. Der Gastredner des Abends, der Hauptgeschäftsführer des Bauern- und Winzerverbandes, Rheinland-Nassau, Dr. Josef Derstappen hofft jedenfalls noch auf Änderungen. Dies brachte er zum Ausdruck und empfahl Widerspruch einzulegen, wenn die Klassifizierungen der Ackerflächen vorliegen.
Derstappen hatte im Vortrag die Arbeit des Bauernverbandes mit Blick auf die Leistungen für die Bauern vorgestellt. Er skizzierte den Berufsverband mit seinen Strukturen auf nationaler und europäischer Ebene. Die Problematik der weltweiten Zusammenarbeit im Sektor des steigenden Nahrungsmittelbedarfs mit allen Facetten stand in den Betrachtungen. In Europas Agrarpolitik mische der Bauernverband mit, da sei die Zusammenarbeit innerhalb der unterschiedlichen Bauernverbände nicht immer einfach. „Es geht um die Verteilung der Finanzmittel in Europa und dann muss dies auf nationaler Ebene geschehen“, sagte Derstappen und brachte weitere Beispiele für die Arbeit des Berufsverbandes. Natürlich sei der Bauernverband auf Bundes- und Landesebene in allen Bereichen der Politik aktiv. Mit Blick auf die Landespolitik berichtete Derstappen von der eigenen Stellungnahme des Verbandes zum Landesjagdgesetz, das in der vorliegenden Fassung von den Landwirten nicht akzeptiert wird. In diesem Zusammenhang betonte Derstappen die gute Zusammenarbeit mit MdL Thorsten Wehner, der an der Versammlung teilnahm. „Obwohl ich nicht in einer Partei bin, aber wir brauchen solchen Einsatz in Bund und Land“, sagte Derstappen an Wehner gewandt.
Im Geschäftsbericht von Markus Mille gab es keine Besonderheiten, so blieb die Mitgliederzahl im Kreisbauernverband von 831( 497 Aktive) nahezu konstant. Der stellvertretende Präsident der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, Heribert Metternich, hatte in seinem Grußwort von einer gefährlichen und verantwortungslosen Politik für die Bauern und für die Gesellschaft im Land gesprochen. „Es geschehen Dinge, die nicht mehr nachvollziehbar sind, da wird die Lebensmittelproduktion in andere Teile der Erde verlegt, eigentlich müsste es anders sein. Bauern ernähren ein Volk, jetzt soll das Land für andere Dinge genutzt werden“, führte Metternich aus. Anstatt landwirtschaftliche Nutzflächen für die Lebensmittelproduktion zu erhalten, geschehe genau das Gegenteil. „Nahrungsmittel und Wasser werden in den nächsten 100 Jahren bei der rasant steigenden Weltbevölkerung begehrt sein, wo sollen sie dann herkommen“, stellte er in den Raum. Er forderte die politischen Rahmenbedingungen für die Bauern in der Region, die langfristig eine zukunftsfähige Nahrungsmittelproduktion sicherten. (hw)
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Der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Georg Groß, sieht im Erosionskataster eine Wertminderung des Grund und Bodens und forderte eine Überarbeitung der EU-Richtlinie. Fotos: Helga Wienand


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