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Nachricht vom 20.02.2020    

Studie: Frauen in Führungspositionen – fast unvorstellbar

In Schulbüchern kommen Frauen fast nie als Gründerinnen oder in Führungspositionen von Unternehmen vor. Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Siegen. darin wurden knapp 5000 Seiten aus deutschsprachigen Schulbüchern der Jahre 2012 bis 2019 analysiert.

Frauen in Führungspositionen (Symbolbild: Pixabay)

Siegen. Frauen als Unternehmens-Gründerinnen kommen in Wirtschafts-Schulbüchern fast gar nicht vor. Auch weibliche Unternehmerinnen oder Managerinnen werden nur selten erwähnt. Das hat eine Studie von Prof. Dr. Hans Jürgen Schlösser und Dr. Michael Schuhen für die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit ergeben. Die beiden Wirtschaftswissenschaftler des Zentrums für ökonomische Bildung der Universität Siegen haben knapp 5000 Seiten aus deutschsprachigen Schulbüchern der Jahre 2012 bis 2019 analysiert, darunter Bücher für Berufskollegs, Realschulen und Gymnasien. Das Ergebnis: In den untersuchten Büchern werden traditionelle Rollenbilder gepflegt. Männer sind Arbeitgeber, Geschäftsbesitzer und Chefs, Frauen Mitarbeiterinnen und Kundinnen. „Dass es auch Start-Up-Teams mit Frauen gibt, scheint in vielen Schulbüchern außerhalb der Vorstellungskraft zu liegen“, sagt Schuhen. Es sei ein großes Problem, das Mädchen und junge Frauen fast nie mit weiblichen Vorbildern aus der Wirtschaft in Kontakt kommen.

Typisch für das Frauenbild in den untersuchten Wirtschafts-Schulbüchern sind Fotos von Frauen in Pflegedienst und Hausarbeit, Kosmetikerinnen, Verkäuferinnen, Auszubildenden in einem Textilgeschäft oder Friseurinnen. „In der Regel sind das alles gering bezahlte Tätigkeiten, auch als Selbstständige ist dabei für Frauen nicht sehr viel zu verdienen“, sagt Schuhen. Männer hingegen werden in Tätigkeitsbereichen wie der Fertigungsplanung, der Qualitätssicherung, der Elektrotechnik oder in der Wissenschaft dargestellt. „In der Schulbuchwelt ist im Großen und Ganzen die Ehefrau Sekretärin und der Mann Ingenieur“, fasst Schuhen die Repräsentation zusammen.

„Weibliche Selbstständigkeit wird in den meisten Schulbüchern marginalisiert, sie kommt, wenn überhaupt, nur am Rande vor“, erklärt Hans Jürgen Schlösser. Werden Frauen in Schulbüchern als selbständig dargestellt, sind sie meist Freiberuflerinnen, zum Beispiel als Ärztinnen, Anwältinnen oder selbstständige Altenpflegerinnen. Als Managerinnen oder Unternehmerinnen erscheinen sie so gut wie nie. „Generell machen Schulbuchautoren sich keine Gedanken darüber, Frauen in Führungspositionen zu präsentieren“, sagt Schlösser.



Der Mittelstand kommt laut der Studie in den Schulbüchern zu kurz, sowohl ganz allgemein, als auch im Bezug zu weiblichen Unternehmerinnen, die in der Realität gerade im Mittelstand oft vertreten seien.

Die fehlenden Vorbilder könnten nicht nur traditionelle Rollenbilder in den Köpfen der Schülerinnen verfestigen. Sie machten sich im schlimmsten Fall auch in der Wirklichkeit bemerkbar – zum Beispiel, wenn Mädchen und junge Frauen für ihre Lebens- und Karriereplanung die Selbstständigkeit ausschließen oder das Gefühl haben, dass Männer für Führungspositionen besser geeignet seien als sie selbst, meint Schuhen.

Vereinzelte gute Beispiele in den Schulbüchern zeigten, dass die Repräsentation von Frauen in der Wirtschaft auch anders aussehen kann. In einem Buch wird beispielsweise der Prix Veuve Cliquot (Business Woman of the Year) erwähnt. Dadurch werde nicht nur die Preisträgerin, sondern auch der Preis an sich sichtbar, sagen die beiden Siegener Forscher. Einmal wird eine Frau in einem technischen Beruf auf einem Einband im Vordergrund dargestellt. Punktuell werden in den Schulbüchern auch Frauen in herausgehobener beruflicher Stellung erwähnt. In den untersuchten Büchern wird jedoch meist die Chance vergeben, Unternehmerinnen als Rollenvorbilder einzubringen.

Die Analyse steht online zum kostenfreien Download bereit:
https://shop.freiheit.org/#!/publikation/867


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