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Nachricht vom 21.03.2020    

Corona in Altenkirchen: Existenzen und Arbeitsplätze in Gefahr

Die Fußgängerzone ist so gut wie ausgestorben an diesem Nachmittag, die meisten Geschäfte sind gezwungenermaßen geschlossen. Gleiches gilt für die Einkaufsmöglichkeiten in den anderen Straßen Altenkirchens. Die Ausbreitung des Coronavirus soll mit den bekannten drastischen Maßnahmen auch in der Kreisstadt gestoppt werden.

So gut wie verwaist ist in diesen Tagen die Altenkirchener Innenstadt. (Foto: hak)

Altenkirchen. Kunden? Fehlanzeige! Geschlossene Geschäfte, eine Fußgängerzone, die frei von Menschen ist: Auch Altenkirchens Einzelhandel sehnt das Ende der Direktive herbei, die Läden nicht öffnen zu dürfen (die Ausnahmen sind bekannt). Die Coronavirus-Pandemie sorgt für tiefe Einschnitte in das öffentliche und private Leben. Existenzen und Arbeitsplätze sind in Gefahr. Die Sorgen derjenigen, die mit ihren Firmen in der allerersten Reihe stehen und derzeit ihre Hände in den Schoß legen müssen, wurden bereits vielfach und teils drastisch beschrieben. Eine stichprobenartige und damit nicht repräsentative Umfrage des AK-Kuriers (Stand Samstag, 21. März, 10 Uhr) gibt Auskunft – abseits auch nicht immer im Vordergrund stehender Branchen:

Es ist eine Herausforderung
"Das, was wir momentan erleben, wird für viele Kollegen existenzbedrohend. Es ist eine Herausforderung", sagt Thomas Sturm, der zur Geschäftsleitung der Autozentrale Sturm in Altenkirchen gehört. In der Werkstatt darf gearbeitet werden, "Verkauf und Auslieferung von Fahrzeugen sind nicht gestattet", ergänzt er, "wir würden gerne was verkaufen, aber wir sitzen im selben Boot wie der Einzelhandel." Er habe erfahren, dass im Kreis Altenkirchen ein Betrieb der Sparte von dem zuständigen Ordnungsamt bereits auf Einhaltung der Vorgaben kontrolliert worden sein soll. Solange der Servicebereich laufe, könne ein Teil der Fixkosten gedeckt werden. Die Lieferung von Ersatzteilen funktioniere, es sei wahrscheinlich aber nur noch eine Frage der Zeit. Kurzarbeit hat Sturm noch nicht beantragt, "wir sind aber darauf vorbereitet". Die Mitarbeiter bauen derzeit zudem Überstunden ab.

Viele Fahrzeuge abgemeldet
"Eine Katastrophe" nennt Uwe Bischoff die aktuelle Lage für sein Unternehmen, die Taxi-Betriebe Uwe Bischoff mit Firmensitz in Fiersbach. Er spricht von einem Rückgang zwischen "50 und 60 Prozent" im reinen Taxi-Verkehr. Im Reisebusbereich betrage die Stornierungsquote 100 Prozent, der ÖPNV verkehre ja auch nur noch im Notfallfahrplan. Die Konsequenz: Bischoff hat nach eigenen Angaben circa 80 Prozent der Fahrzeuge ab- und für die Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet. "Wir versuchen alle durchzukommen, alle haben auch top mitgezogen", beschreibt er die nicht gerade rosige Situation in seinem Gewerbe.

Kultur: Riesige Probleme
Vor riesigen Problemen steht natürlich auch Helmut Nöllgen vom Kultur-/Jugendkulturbüro Haus Felsenkeller in Altenkirchen. Abgesagt sind alle Veranstaltungen bis einschließlich Mai, also das weitere komplette Programm des ersten Halbjahres. Versichert sei niemand, das sei höhere Gewalt. "Es ist ungewiss, wie das alles weitergeht, ob wir Gagen zahlen müssen oder nicht", erklärt Nöllgen, "auch unser Büro in der Marktstraße ist bis auf Weiteres geschlossen." Nicht wirklich dran denken will er, was passiert, wenn auch die Veranstaltungen des elften Spiegelzeltes (30. August bis 20. September) ausfallen müssen. "Bei einem finanziellen Gesamtvolumen von 300.000 Euro müssen 75 Prozent erwirtschaftet werden", blickt Nöllgen voraus. Einige Termine seien bereits ausverkauft, diverse Gala-Abende gebucht. Sollte eine Absage wirklich erforderlich werden, hat er keine Ahnung, "wie es dann überhaupt weitergehen soll".



Friseur mit Einbußen
Während Lebensmittelgeschäfte jeglicher Couleur erheblichen Zulauf (auch für Hamsterkäufe) und damit erhöhten Umsatz registrieren, macht Ute Gehrig (Haarstudio U3 Altenkirchen) Einbußen aus. Der Klärung via Gesundheitsamt, ob das Geschäft denn wirklich geöffnet bleiben könne, folgte die Änderung der Terminabarbeitung. "Wir haben Kunden gefragt, ob sie auch früher zu uns kommen konnten", erläutert Gehrig, so habe sich eine doch sehr arbeitsintensive Woche ergeben. "Alle laufen am Limit", berichtet sie, "aber wir haben festgestellt, wie wichtig es Menschen ist, zum Friseur zu gehen, selbst für Männer." Nach wie vor werden Termine vergeben. Einher damit gehe die Frage, ob Schnupfen oder Husten vorliegen. "In einem solchen Fall bitten wir natürlich die Kunden, zu Hause zu bleiben", reflektiert Gehrig, für den Fall der Fälle aber "liegen schon Anträge auf Kurzarbeit vor". Was inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen ist: der oftmalige Griff zum Smartphone, um zu checken, ob sich etwas an den Vorgaben verändert hat.

Fragen werden verschickt
Über eine nicht mehr ganz so stark "glühende Telefonleitung" informiert Erster Polizeihauptkommissar Hans-Christian Schlemm, der Chef der Dienststelle in Altenkirchen, in einer ersten vagen Einschätzung der Situation als Folge der Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Aktuell sind die Beamten angehalten, persönliche Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren. Deswegen gibt es nur noch ganz wenige Vorladungen, "wir verschicken Fragenkataloge, damit niemand mehr zu uns kommen muss. Auch besteht die Möglichkeit, über die 'Online-Wache' Anzeigen zu erstatten. Dennoch sind wir natürlich nach wie vor für die Bevölkerung da", verdeutlicht Schlemm, der erwartet, dass sich die Zahl der häuslichen Auseinandersetzungen in den kommenden Wochen erhöhen wird, weil ein engeres Zusammenleben für einigen Stress sorgen könne.

Geschlossene Verwaltungen
Inzwischen für die Öffentlichkeit geschlossen sind die Kreisverwaltung Altenkirchen und die Verbandsgemeindeverwaltung Altenkirchen-Flammersfeld. Zuvor war laut Bürgermeister Fred Jüngerich der Publikumsverkehr im Rathaus angestiegen, gleiches hatte laut einer unbestätigten Aussage auch für den Komplex an der Altenkirchener Parkstraße gegolten. Die Kreisverwaltung ist dennoch handlungsfähig: Unaufschiebbare Anliegen werden nur nach Terminvergabe bearbeitet. Dies gilt auch für die Kfz-Zulassungsstelle. Auf der Homepage der VG heißt es: Da der Dienstbetrieb intern aufrecht erhalten wird, sind dringende Anliegen nach vorheriger telefonischer Absprache oder nach Terminabstimmung per E-Mail möglich. (hak)


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