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Nachricht vom 10.04.2020    

So geht das Altenkirchener DRK-Seniorenzentrum mit Corona um

Es ist nur eine Frage der Zeit gewesen: Der unsichtbare Feind hat sich heimlich, still und leise inzwischen auch in ein erstes Seniorenheim im AK-Land eingeschlichen. Das St.-Vinzenzhaus in Gebhardshain meldet positive Tests. Experten war klar, dass selbst die intensivsten Abwehrmaßnahmen keinen 100-prozentigen Schutz garantieren.

Das DRK-Seniorenzentrum in Altenkirchen versucht mit aller Macht, dem Corona-Virus den Eintritt ins Haus zu verwehren. (Foto: hak)

Altenkirchen. Mehr Risikogruppe geht nicht: Treffender können die Bewohner von Senioren- und Altenpflegeheimen gar nicht beschrieben werden. Sie sind dem Corona-Virus ausgeliefert, hat es einmal Fuß gefasst. Zahlreiche Beispiele quer durch die Republik beweisen, dass einer Ausbreitung auf so engem Raum kaum Herr zu werden ist und zahlreiche Todesfälle zu beklagen sind. Auch im Altenkirchener DRK-Seniorenzentrum im Leuzbacher Weg sind sich in einer Momentaufnahme und als Beispiel Heimleitung, Mitarbeiter und viele Bewohner der lebensbedrohenden Umstände bewusst. Mit Stand von Karfreitag (10 Uhr) sind die Schutzmaßnahmen noch von Erfolg gekrönt. Niemand ist erkrankt. Wie lange das Bollwerk der Abschottung erfolgreich seinen Dienst tut, vermag auch der Chef des Hauses, Andreas Artelt, nicht zu sagen.

Kontakt via Sype
"Bei uns gilt schon mehrere Wochen ein generelles Besuchsverbot, an das sich auch strikt gehalten wird", berichtet Artelt auf Anfrage des AK-Kuriers. Die Grundvoraussetzung, dem nicht fassbaren Widersacher erst gar nicht den Eintritt zu gewähren, bedingt, dass die Bewohner logischerweise komplett auf persönliche Treffen mit Angehörigen, Freunden oder Bekannten verzichten müssen. Oftmals bleibt nur ein telefonischer Kontakt mit der Außenwelt. Ein wenig abgemildert wird die Kontaktsperre durch die Möglichkeit, via Skype zumindest per bewegter und live präsentierter Sequenzen die Verbindung mit Familie & Co. zu knüpfen. "Wir haben drei Geräte im Haus. Derjenige, der dieses Angebot nutzen möchte, meldet sich an und kann so zumindest von Angesicht zu Angesicht kommunizieren", zeigt Artelt einen zusätzlichen Weg "nach draußen" auf, der gleichfalls einem "Lagerkoller" entgegenwirken soll, den es laut seiner Aussage aber noch nicht gibt. Darüber hinaus hat das "Fensterln" Einzug gehalten in den Reigen der Möglichkeiten der Unterhaltung mit Ansprechpartnern jenseits der Isolation. Auf ein wenig größere Distanz können Bewohner bei geöffnetem Fenster mit Menschen sprechen, die ihnen am Herzen liegen. "Auch das machen wir möglich", berichtet Artelt, weiß aber gleichfalls, dass dennoch "Ostern eine harte Zeit für die Bewohner wird".

Restriktionen im Haus
Auch im Haus selbst gibt es Restriktionen, die nicht immer einfach einzuhalten sind. Bewegen dürfen sich die Damen und Herren nur innerhalb ihrer Hausgemeinschaft (davon gibt es sechs), die jeweils durch Brandschutztüren begrenzt werden. "Natürlich kommt es vor, dass Rollstuhlfahrer überall hin unterwegs sind und dass demente Menschen vergessen, was sie tun dürfen und lassen sollen", beschreibt Artelt Probleme aus dem Alltagsablauf, der dennoch hin und wieder nahe an die Normalität heranreicht. So dürfen Bewohner auf Wunsch ein wenig frische Luft außerhalb des Komplexes und in Begleitung eines Angestellten genießen. Vor diesem Hintergrund wurde das Areal komplett mit Trassierband abgesperrt, um "Laufkundschaft", die von Parkplätzen gen Krankenhaus und zurück abkürzender Weise unterwegs ist, einen kleinen Umweg über offizielle Pfade aufzuerlegen und somit deutlichen Abstand zu den im Freien Weilenden zu generieren.



Personell kein Engpass
In Sachen Personal sieht Artelt momentan noch keinen Engpass. Zugute kommt, dass die Tagespflege geschlossen ist und deren Mitarbeiter nunmehr für die Arbeit in den Hausgemeinschaften ebenfalls zur Verfügung stehen. Am Wochenende können Heimleitung und Verwaltungsmitarbeiter helfen, wenn Not am Mann oder der Frau ist. "Freiwillig verschieben Angestellte auch ihren Urlaub", stellt Artelt heraus, "wieder andere treten ihre planmäßigen Ferien an, bleiben jedoch in Rufbereitschaft. Wegfahren können sie ja nicht." In einem Atemzug bricht Artelt eine Lanze für Sonderzahlungen, wie es die Gewerkschaft ver.di für den unter ihrer Obhut stehenden Teil der Pflegekräfte erreicht habe. Diese 1500 Euro sollten an jeden überwiesen werden, "dazu zähle ich auch die Hausmeister, die Hauswirtschaftler und die Reinigungskräfte, die alle einen wahnsinnigen Einsatz zeigen. Allen gehört eine solche Prämie!", fordert Artelt.

Nicht ein einziger Test
Hart ins Gericht geht Artelt mit übergeordneten Stellen angesichts des Fakts, dass ein "Seniorenheim ein Pulverfass" ist: "Hier ist noch nicht ein einziger Test auf Covid-19 erfolgt. Normalerweise müssten sich alle Bewohner und alle Mitarbeiter einmal pro Woche jeweils einem Abstrich unterziehen", fordert er und schickt in Sachen Ausstattung direkt hinterher: "Wir müssen uns um alles selbst kümmern. Mit der Not der Menschen wird Schindluder getrieben." Es seien nicht genügend Schutzbrillen vorhanden. Schutzvisiere fehlten ebenfalls. "Wir haben frühzeitig bestellt, und nichts ist angekommen", kritisiert er. Grundsätzlich ist es für die Mitarbeiter Pflicht, Mundschutz in Gesprächen mit anderen zu tragen. Dieser könne auch mal kurzzeitig abgenommen werden, wenn niemand anderes in der Nähe sei. Die Maßnahme gelte für Bewohner nicht, "weil sie ja das Atem erschwert". Die Frage, ob die Situation vergleichbar sei mit dem Ausbruch des Noro-Virus (den es im Seniorenzentrum schon gab), beantwortet Artelt mit einem Nein: "Dafür gibt es Medikamente!" (hak)

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