Werbung

Nachricht vom 05.10.2020    

4.900 Vollzeit-Beschäftigte im Kreis arbeiten zum Niedriglohn

40 Stunden Arbeit pro Woche und trotzdem bleibt es klamm im Portemonnaie: Aktuell arbeiten im Landkreis Altenkirchen 19 Prozent aller Vollzeit-Beschäftigten im Niedriglohnsektor. Insgesamt rund 4.900 Menschen erzielen trotz voller Stundenzahl ein Einkommen unterhalb der amtlichen Niedriglohnschwelle von derzeit 2.350 Euro brutto im Monat (Wert für Westdeutschland).

Schöner Beruf, aber oft schlecht bezahlt: In der Floristik müssen sich viele Beschäftigte mit Mini-Löhnen begnügen, die bei weitem nicht zum Familienunterhalt reichen, kritisiert die IG BAU. (Foto: IG BAU)

Kreis Altenkirchen. Darauf hat die Gewerkschaft IG BAU hingewiesen. Die Zahlen gehen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Fraktion im Bundestag hervor. „Dass selbst eine Vollzeitstelle häufig nicht ausreicht, um finanziell halbwegs abgesichert zu sein, ist alarmierend“, sagt Walter Schneider, Bezirksvorsitzender der IG BAU Koblenz-Bad Kreuznach. In der Region zählten unter anderem die Landwirtschaft, die Gebäudereinigung und die Floristik zu den Branchen, in denen besonders wenig gezahlt werde. Grund dafür sei auch die schwindende Tarifbindung. „Je mehr Firmen aus Tarifverträgen aussteigen, desto schlechtere Karten haben die Beschäftigten. Es droht eine immer tiefere Spaltung des Arbeitsmarktes“, warnt Schneider. Diese werde durch die Corona-Pandemie teils verschärft: Beschäftigte im Handwerk könnten nur selten Homeoffice machen. Wegen hoher Mieten in den Städten müssten sie zudem oft weite Pendelwege in Kauf nehmen.

Der Gewerkschafter ruft die Unternehmen im Landkreis dazu auf, sich zu Mitbestimmung und Tarifautonomie zu bekennen: „Die Sozialpartnerschaft ist ein Erfolgsmodell, das den Beschäftigten – und den Betrieben – über Jahrzehnte wachsenden Wohlstand beschert hat. Sie darf nicht unter die Räder kommen.“ Nach Untersuchungen der Hans-Böckler-Stiftung profitieren davon auch die Firmen. In tarifgebundenen Unternehmen steige die Produktivität, Mitarbeiter seien motivierter.



„Aber auch die Politik ist am Zug. Sie sollte mehr für die Tarifbindung tun“, erklärt Schneider und nennt das Beispiel des Maler- und Lackiererhandwerks: Dort haben Gesellen Anspruch auf einen tariflichen Mindestlohn von 13,50 Euro pro Stunde. Diese Lohnuntergrenze wurde von der Politik für die ganze Branche zur Pflicht gemacht. Zum Vergleich: Der gesetzliche Mindestlohn liegt aktuell bei 9,35 Euro pro Stunde.

„Klar ist aber auch: Je mehr Menschen sich in den Gewerkschaften engagieren, desto mehr lässt sich gegenüber den Arbeitgebern herausholen“, so Schneider. (PM)


Lokales: Altenkirchen & Umgebung
Feedback: Hinweise an die Redaktion

Anmeldung zum AK-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Altenkirchen.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Wirtschaft


NOW Investments übernimmt Mehrheit an Adik Fahrzeugbau GmbH in Mudersbach

Die NOW Investments Holding GmbH expandiert weiter im Bereich Feuerwehr- und Spezialfahrzeugbau. Mit ...

KONEKT Westerwald 2025: Jobmesse am 10. April in Rennerod

ANZEIGE | Wie finden Jobsuchende und Unternehmen im Westerwald zueinander? Die KONEKT Netzwerkmesse am ...

Ximaj & W&S Motorsport: Sieg bei NLS 2025 und starke Partnerschaft

ANZEIGE | Wie führt Technologie aus dem Westerwald zu Rennsiegen auf der Nordschleife? Die Kooperation ...

Erfolgreicher Auftakt des Digitalen Stammtisches in Altenkirchen

In der Verbandsgemeinde Altenkirchen fand die Premiere des Digitalen Stammtisches Westerwald/Sieg statt. ...

Sparkasse Westerwald-Sieg fördert Schulen und Vereine mit fast 50.000 Euro

Das war knapp, um Haaresbreite hat die Sparkasse Westerwald-Sieg (SKWWS) die Schallmauer von 50.000 Euro ...

Betzdorf investiert in die digitale Zukunft: Neue Ortsnetzstationen für ein intelligentes Stromnetz

In Betzdorf schreiten die Arbeiten zur Modernisierung des Stromnetzes voran. Zwei neue digitale Ortsnetzstationen ...

Weitere Artikel


Energietipp: Ein Thermostatventil ist kein Wasserhahn

Wenn es kalt ist, wird das Thermostatventil am Heizkörper oft reflexhaft voll aufgedreht, in der Hoffnung ...

MVZ Wellersberg und DRK-Kinderklinik ergänzen ärztliches Team

Mit Dr. Burkhard Stüve als neuem Chefarzt in der Neuropädiatrie, der Kinderorthopädin Stefanie Lodde ...

Sonntagsmatinee im Stöffel: „Wie ich den Sex erfand“

Der vielfach ausgezeichnete Drehbuchautor Peter Probst stellt am Sonntag, 18. Oktober 2020, 11 Uhr, sein ...

Achtjähriger büxt aus und will Großeltern besuchen

Mehrere Verkehrsteilnehmer haben am Donnerstag, 1. Oktober, an der Landesstraße 280 zwischen Alsdorf ...

Besonnenes, quirliges Leben in Katzwinkel trotz Corona

Geplante Straßenausbauten, ein Schaustollen, der fast fertig ist, großes ehrenamtliches Engagement in ...

Natur-Projektwoche im Hassel-Wald

Auch in diesem Jahr findet im Hassel-Wald bei Pracht vom 9. bis 17. Oktober die Natur-Projektwoche statt, ...

Werbung